Forum Movies - Reviews: Kino
Beitrag Louise Michel
Louise Michel oder: Wie man Bosse von Briefkastenfirmen ausfündig machen kann Tierliebhaber und -schützer sowie Behindertenorganisationen werden an Louise Michel wohl weniger Freude haben: Die Filmemacher schrecken nämlich weder vor der Misshandlung von Tieren zurück, noch davon, einen Invaliden im Rollstuhl vom Tram überrollen zu lassen. Irgendwie kommt einem diese Abrechnung mit Tieren und Invaliden etwas makaber und geschmacklos vor. Der Film enthält aber durchaus auch lustige Szenen, bei welchen man ohne schlechtes Gewissen mitlachen kann. Louise sorgt mit ihrer Abgelöschtheit, ihrem Schlurfgang und ihrem Lachanfall über einen Fuchs mit Perücke für Sympathiepunkte und Gelächter. Die beiden Regisseure Benoît Delépine und Gustave Kervern haben für Louise Michel nicht zum ersten Mal miteinander gearbeitet, so sind sie beide schon für Aaltra und Avida verantwortlich. Yolande Moreau ist im Film deutlich anzumerken, dass sie bereits einige Filmerfahrung sammeln konnte. Für ihren Charakter in Quand la mer monte erhielt sie bereits die César-Auszeichnung als beste Schauspielerin. Die abgelöschte, uninteressierte, fade, ungepflegte und stumme Louise, die im Film wie ein "Trampel" daherkommt, stellt sie bravurös dar. Ihr Filmpartner Bouli Lanners ist in Frankreich neben seinen Nebenrollen in Filmen wie Aaltra, Quand la mer monte und Astérix aux jeux olympiques auch als Regisseur bekannt und wurde für seinen ersten Langspielfilm Ultranova an der Berlinale 2005 ausgezeichnet. Seine Rollenbesetzung als Auftragskiller Michel, der sich statt eines Heldes plötzlich als totale Memme herausstellt und nicht einmal treffsicher schiessen kann, zaubert dem Kinogänger zusätzlich zu den Dialogen so manches Lachen ins Gesicht. Fazit: Der Film verfährt ganz nach dem Motto: "Tabus sind da, um gebrochen zu werden." Und das tut er nicht etwa auf eine sanfte, vorsichtige Weise, sondern schlägt direkt und bösartig zu. So trifft er unmöglich jedermanns Gusto. Wer damit umgehen kann, wie Tiere oder Invalide nicht gerade nett behandelt werden, eine Nachinszenierung des 11.Septembers mit den einstürzenden Twin Towers verkraftet und dabei auch noch ungeniert loslachen kann, könnte sich an Louise Michel erfreuen. Alle anderen kann ich trösten, man verpasst nichts, wenn man den Film nicht gesehen hat. |


