Forum Movies - Reviews: DVDs & Blu-rays
Beitrag Delicatessen
Delicatessen oder: Man ist die Nachbarin zäh... Bei Dante 01 traf ich zum ersten Mal auf Regisseur Marc Caro und stiess dabei auf Delicatessen, bei dem er mit Jean-Pierre Jeunet zusammen Regie geführt hat. Delicatessen kam 1991 in die Kinos und war nicht nur ihr erster Kinofilm, sondern auch gleich ihr Durchbruch. Die Mischung aus Endzeit, schwarzer Komödie und einer sehr speziellen Inszenierung kam sehr gut an und hat sich seither zum Kultfilm avanciert. Um eines gleich vorweg zu nehmen: Nur weil es in Delicatessen um Kannibalismus in einer zerstörten Welt geht, heisst dies noch lange nicht, dass man eine Splatterorgie im Stil von Texas Chainsaw Massacre erwarten kann. Delicatessen ist nämlich, bis auf einige Momente, blutleer und setzt auf ganz andere ästetische Werte, als die Kameralinse mit Blut zu besudeln. So besticht Delicatessen von der ersten Minuten an mit düsterer Endzeitstimmung und man ist, auch wenn der Einstieg mangels Erklärungen etwas schwierig ausfällt, gleich fasziniert von der bizarren Welt, welche die beiden Regisseure geschaffen haben. Doch die grossartige Inszenierung ist hier nur die halbe Miete. Das Gold liegt auch bei den bizzarren Figuren, welche das Haus bevölkern und, wie bei einem Theater, verschrobener und schräger nicht sein könnten. So kommt es zu harmlos hineingeflochtenen Romanzen, welche zum Teil mit sehr feiner und auch makaberer Situationskomik gewürzt sind. Dabei geben die Schauspieler in jeder Rolle das beste, sei es jetzt Dominique Pinon als der verliebte Clown, Jean-Claude Dreyfus als der bösartige Fleischer, Silvie Laguna als die todeswillige Aurore oder Marie-Laure Dougnac als die Vertäumte Julie (um nur einige zu nennen), alle geben ihre eigene Würze und sorgen für köstliche Momente. Delicatessen ist und bleibt ein sehr klassischer Arthaus Film, der sich mehr auf die visuellen Reize und die grossartigen Charaktere stützt, als auf Inhalt. Dabei erzählt er eine Handlung, welche sich aus amüsanten Teilepisoden zusammensetzt und sich dabei regelmässig in textlosen und rein musikalisch unterlegten Passagen versäumt. Leider kommt es so auch zu einigen Längen, und trotz der guten Schauspieler verliert man an einigen Stellen den roten Faden aus den Augen. Zudem fehlt jede Erklärung über die Entwicklungen der letzten Jahre und weshalb die Welt rundrum so zerstört ist. So sieht man zwar einige düstere Bilder, doch es hat kein Fleisch am Knochen, was vor allem bei den regelmässigen Längen negativ auffällt. Fazit: Delicatessen ist ein grossartiges Erstlingswerk, welches mit düsterer Endzeistimmung, vielen völlig übertriebenen Charakteren, grossartiger Kameraführung und Schauspieler begeistert. In den rund hundert Minuten wird eine abwechslungsreiche Handlung mit einigen überraschenden Wendungen, viel schwarzem Humor und liebevoll gestalteten Sets geboten. Allerdings wird die an sich gut durchdachte Welt von Delicatessen kaum mit Hintergrundinformationen vertieft, und deshalb kommt es auch zu dem einen oder anderen Hänger, welcher so hätten überspielt werden können. Die DVD bietet den Film in einer scharfen Qualität, doch das Bild hat sehr starken Schnee, was bei einigen Szenen auch stört. Der Ton fällt dabei ebenfalls mässig aus und auch wenn die französische Tonspur sauber und klar daherkommt, fällt die deutsche Synchro mit Stereoton sehr ab. Das Bonusmaterial beschränkt sich ebenfalls auf die elementare Standardausrüstung. Einen Audiokommentar vom Regisseur, einige Archivaufnahmen vom Casting und einige Aufnahmen von den Dreharbeiten schnüren ein solides Paket. |

