Forum Movies - Reviews: Kino
Beitrag Milk
Milk oder: Ein lebenslanger Kampf um politische Rechte Harvey Milk ist in den USA, weit über die Schwulen-Szene hinaus, zu einer Ikone der Bürgerrechtsbewegung geworden. Seine Ermordung 1978 erschütterte eine ganze Nation. Heute ist eine High School in New York nach ihm benannt und im letzten Jahr wurde ein Büste Milks im Rathaus von San Francisco eingeweiht. Bereits 1985 wurde der Vorkämpfer gegen gesellschaftliche Diskriminierungen in der Oscar prämierten Dokumentation The Times of Harvey Milk von Regisseur Robert Epstein porträtiert. Exakt dreissig Jahre nach Milks Tod hat nun der renommierte Filmemacher Gus Van Sant einen eindrücklichen Spielfilm über diese charismatische Persönlichkeit gedreht. Van Sant hat dabei nicht nur einfach eine Geschichte über ein kontroverses Jahrzehnt gedreht, sondern die Atmosphäre jener Dekade mit einem perfektionistischen Hang zur detailgetreuen Ausstattung regelrecht wieder aufblühen lassen. Mit Einspielungen von originalem Filmmaterial aus den 1970er Jahren legte der Regisseur zudem starken Wert auf die Vermittlung von Authentizität. Die turbulenten Jahre Harvey Milks scheinen dank der gelungenen Mischung von Spielfilmszenen mit kurzen Einwürfen historischer Zeitdokumente fast greifbar Nahe zu sein. Das Produktionsteam ging bei dieser Liebe zu Feinheiten sogar so weit, dass es Milks Laden "Castro Camera" an der ursprünglichen Adresse, 575 Castro Street, wiederaufbaute. Mittendrin in dieser nostalgischen Welt voller tiefer Abgründe brilliert Sean Penn als Harvey Milk in der Rolle seines Lebens. So stark wie Sean Penns Interpretation einer schwulen Politikone überrascht, überzeugt sie auch. Der wohl vielseitigste Charakterdarsteller Hollywoods hat mit der buchstäblichen Verkörperung Milks sein ohnehin schon beeindruckendes Repertoire um eine weitere unvergessliche Performance erweitert. Mit viel Temperament, Liebe und Schalk zeichnet Penn die Entwicklung Harvey Milks vom Versicherungsangestellten zur facettenreichen politischen Persönlichkeit nach, die das Gay-Viertel Castro mit einer wilden Entourage voller intelligenter Köpfe zur Keimzelle der ersten politisch und wirtschaftlich gewichtigen Schwulen-Bewegung verwandelte. Emile Hirsch (Into the Wild) als Milks assistierender Politaktivist Cleve Jones vermag mit seiner missionarischen Euphorie ebenso starke Akzente zu setzen. Josh Brolin, der gerade erst George Bush in W. mit schockierender Leichtigkeit imitierte, porträtiert in Milk mit viel Menschlichkeit die Rolle des innerlich lodernden Dan White, dem politischen Widersacher und Mörder von Harvey Milk. Milk ist eine historische Aufklärungsstunde über die schwulenfeindliche Stimmung der 1970er Jahre aus der intimen Perspektive eines mutigen Menschen, der sich erfolgreich für eine tolerantere Gesellschaft engagierte und bis heute unverkennbare gesellschaftliche Spuren hinterlassen hat. Regisseur Gus Van Sant ist ein bewegendes Biopic gelungen, das Harvey Milk in eine Reihe mit den tragischen Persönlichkeiten Amerikas setzt, die den Menschen ihrer Generation viel Hoffnung gaben und dafür ihr Leben verloren. Ein Denkmal, das stark nach Oscar riecht... |
Danke für den Hinweis, El Chupanebrey. Der Fehler ist behoben. |
Milk ist ein guter Film, zweifellos, aber irgendwie bewegt er sich im bereits zigmal zuvor gesehenen Muster: Ein Idealist arbeitet sich hoch, hat eine darunter leidende Beziehung, er wird ermordet. Dennoch hat Gus Van Sant aus dem Stoff sehr viel herausgeholt und hat gute (Josh Brolin) bis sehr gute Schauspieler (Sean Penn (der mich von der Performance her etwas an Dustin Hoffman in Rain Man, von der Stimme her an Casey Affleck in The Assassination of Jesse James by the Coward Robert Ford erinnert hat), Emile Hirsch) rekrutiert. Das oscarnominierte Drehbuch ist gut und der Film hat die richtige Länge. Insgesamt kein zukünftiger Klassiker, aber ein spannender Streifen über Emanzipation von Homosexuellen. Ich bin sogar bereit, die 4,5 Sterne aufzurunden. [Editiert von El Chupanebrey am 2009-02-21 15:04:52] |

