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Beitrag L'empreinte de l'ange

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L'empreinte de l'ange oder: The Girl Is Mine


Der Kampf einer Mutter um ihr Kind ist seit jeher ein emotionsgeladener Filmstoff, und die entsprechende Intensität verdoppelt sich selbstredend, wenn sich zwei Mütter um ein und das selbe Mädchen zanken. Der einen Frau gehört das Kind auf dem Papier, die andere hat zwar keinerlei Argumente oder Beweise, dafür aber ihre felsenfeste Überzeugung und ihren wortwörtlichen Mutterinstinkt - und so ist ein Clash vorprogrammiert.

In einer solchen Situation will das Publikum natürlich vor allem wissen, welche der beiden Damen denn nun im Recht ist, und wenn ja, auf welche Weise. Diese Ungewissheit ist denn auch der hauptsächliche Spannungsmotor des Films, und tatsächlich wird die Situation - ganz in Thrillermanier - erst kurz vor Schluss aufgelöst. Dieses Aufschieben der Wahrheit, dieses Herauszögern eines Wendepunktes erzeugt zwar einen angenehmen Druck über die Filmdauer hinweg, generiert aber auch eine beträchtliche Erwartungshaltung. Denn wenn man schon über eine Stunde warten muss, bis sich die Verhältnisse klären, dann möchte man auch, dass sich dieses Warten - wie in einem guten Krimi - gelohnt hat. Schliesslich kann man weder das Geschehen noch die Motivationen der Figuren richtig aufschlüsseln, solange bezüglich der umstrittenen Mutterschaft nicht Klarheit herrscht.

Und hier liegt das Problem - als Zuschauer wäre man lieber in Kenntnis des gesamten Sachverhalts und damit viel näher bei den Figuren - man könnte so ihr doppelbödiges Spiel analysieren statt einem klassischen Thrillermechanismus aufsitzen zu müssen. Die Drehbuchautoren scheinen diese emotionale Hürde gespürt zu haben, denn sie hüten ihr Geheimnis nur schlecht. L'empreinte de l'ange ist sowieso nur am Rande ein Thriller, sondern vielmehr ein mit Thrillerelementen auswattiertes Pychogramm zweier Frauen im Clinch, das zum Finale keine grosse Verblüffung auffährt, sondern lediglich die Bestätigung dessen nachliefert, was man im Verlauf des Films ohnehin zu ahnen beginnt.

Interessanter als die herausgeschobene Antwort zur konkreten Mutterschaft ist denn auch vielmehr die Frage, ob die von Catherine Frot gespielte Frau wegen diesem kleinen Mädchen - von dem niemand ausser ihr selbst glaubt, dass es ihre Tochter ist - tatsächlich den Verstand verliert. Wenn Frauen in Filmen verrückt werden, dann gibt es in der herkömmlichen Drehbuchlogik drei Varianten dieses Prozesses: a) sie drehen tatsächlich durch, b) sie werden von jemandem in den Wahnsinn getrieben oder c) sie sind eigentlich bei Verstand, werden aber von ihrem Umfeld als verrückt wahrgenommen, weil sie an etwas Übernatürliches oder höchst Unwahrscheinliches glauben.

L'empreinte de l'ange spielt mit dieser Ambivalenz, wühlt ein wenig in diesen Traditionen und alterniert zwischen Momenten, in denen die Möchtegernmutter Elsa eher als eine potenziell überreagierende Irre oder als eine klar denkende Kämpferin für ihre individuelle Gerechtigkeit dasteht. Dieses Hin und Her mag zwar das Interessse am Plot einigermassen aufrecht erhalten, aber es versperrt gleichzeitig den Zugang zur Hauptfigur - irgendwann möchte man einfach nur noch wissen, woran man mit dieser Frau wirklich ist.

Was bleibt, sind immerhin zwei höchst erfahrene - und hier besonders elegant geführte und stimmungsvoll eingefangene - Schauspielerinnen, die ihren Figuren gekonnt ein Profil verleihen, ohne sich dabei hinter die Fassade blicken zu lassen. Konzentriert man sich auf deren diskrete Leistungen sowie auf die Raffinesse und die subtile Unheimlichkeit einzelner Augenblicke, so ist man wesentlich besser bedient, als wenn man sich nur auf die magere Auflösung der Geschichte fixiert.

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juz's Wertung: 3 Sterne


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