Forum Movies - Reviews: Kino
Beitrag Doubt
Doubt oder: Die Schlacht der Worte Doubt ist die Filmadaption des gleichnamigen Broadway-Theaterstücks von John Patrick Shanley, das 2004 seine Uraufführung feierte. Der durchschlagende Erfolg erlaubte es dem Autoren, gleich selbst das Drehbuch und die Regie für die Verfilmung zu übernehmen. Immerhin ist Shanley seit seinem oscarprämierten Drehbuch zu Moonstruck auch in Hollywood eine bekannte Grösse. Mit Doubt führt er das Publikum zurück in die politisch bewegten 1960er-Jahre, in der viele vermeintlich unangefochtenen Wertvorstellungen in Frage gestellt wurden. Kennedy wurde getötet, der Civil-Rights-Act gegen die Rassendiskriminierung wurde von Präsident Johnson unterschrieben, der Zweite Vatikanische Konzil veränderte die katholische Kirche, und in Woodstock befreite sich eine ganze Jugend von der Moral ihrer Eltern. In Doubt wird eine Kirchgemeinde in der Bronx zum Abbild der Konflikte jener Zeit. Im Zentrum dieses Mikrokosmos stehen mit Meryl Streep (Lions for Lambs, Mamma Mia!) und Philip Seymour Hoffman (Capote, Charlie Wilson's War) gleich zwei der profiliertesten Charakterdarsteller der Filmbranche vor der Kamera. Eine Notwendigkeit, um der Schlacht der Worte Authentizität und Dramatik zu verleihen. Ähnlich wie in einem guten Hitchcock-Film wird der Zuschauer in jeder Sekunde auf die Folter gespannt. Ständig steht die Frage im Raum, ob sich Pater Flynn am Jungen vergangen hat. Wie zwei hartnäckige Anwälte in einem Gerichtssaal kämpfen die beiden nicht nur um ihre Glaubwürdigkeit, sondern auch um gänzlich entgegengesetzte Wertvorstellungen ihrer bewegten Zeit. Die Sympathien pendeln im Takt eines Metronoms von der einen zur anderen Figur und wieder zurück. Es ist ein Boxkampf zweier Giganten des Films mit einem Ausgang, der von Runde zu Runde unklarer wird, und dazwischen steht unvermittelt die seelisch hin- und hergerissene Schwester James, wunderbar idealistisch dargestellt von Amy Adams (Enchanted). Shanley unterlegt die Handlung mit viel Symbolik. Der Wind zischt, der Regen peitscht gegen die Fenster, Laubblätter und Federn fliegen ruhelos in der Luft umher, Glühbirnen geben urplötzlich ihren Geist auf, Jalousien werden geöffnet und geschlossen, und bewusst ausgewählte Farben für Gemächer und Fassaden unterstreichen die Dramatik und die Atmosphäre der Szenen. Mit geduldiger Hand und einem Hang zur Perfektion führt der Regisseur durch eine Geschichte voller Unklarheiten. Doubt wird zum Plädoyer für den Zweifel und für die Ungewissheit in einer Welt der vorgefertigten Dogmen. John Patrick Shanley löst sich gekonnt von den konventionellen Erzählstrukturen Hollywoods, indem er den Zweifel an- und abschwellen und die vermeintlichen Momente der Wahrheit in einem Netz der Widersprüche verfangen lässt. Meryl Streep brilliert dabei in ihrem Spagat zwischen Strenge und Mitgefühl, und Philip Seymour Hoffman tanzt sich von der charismatischen Überzeugungskraft bis zur mitleidigen Hilflosigkeit durch sein gesamtes schauspielerisches Spektrum. Die beiden Hauptdarsteller werden in beeindruckender Art zu den tragenden Säulen eines Films, der mit einem starken und unkonventionellen Ende überrascht. |
Doubt sagt eigentlich alles schon im Titel. Das Geschickte an dem superben Stück von John Patrick Shanley ist, dass der Zuschauer genauso im Unwissen liegt wie Meryl Streep und Amy Adams. Die ganzen Informationen, die wir bräuchten, um nicht zu zweifeln, hängen an Philip Seymour Hoffmans Figur, welcher grossartig mit uns Zuschauern spielt. Er schafft es schon nur in seiner Sprache und seinen Bewegungen, uns Hinweise zu geben und doch nicht wissen zu lassen, was es mit der ganzen Sache auf sich hat.
|
Wie schon die Vorgänger geschrieben haben, der Titel ist Programm und spielt nicht nur mit den Filmfiguren, sondern auch mit dem Publikum. Das ist gut, weil intelligent gestrickt. Worte, Gesten - als Zuschauer bettelt man förmlich nach Klarheit, nach Hinweisen, nach Tatsachen. Kriegt man diese am Ende? Das sei von mir mal dahingestellt. |
Zitat lafrecciablu (2009-02-08 22:58:25)
|
Ich zweifle nicht an Hofmann's Performance (in keinster art und weise), sondern dass er in der Rolle des Pfarrers zu wenig von seinem wirklichen Können aufzeigen konnte. Deshalb wird es wohl für den Oscar nicht reichen (abgesehen davon, dass er ja schon einen wohlverdienten hat)... ist es nun etwas verständlicher? ;-) |
Zitat lafrecciablu (2009-02-11 13:47:54)
|
jetzt schon |
Ich muss sagen, dass Peter Morgan die Umsetzung seines eigenen Stücks (Frost/Nixon) etwas besser gelungen ist als John Patrick Shanley. Man merkt Doubt die Theaterherkunft sofort an. Daran störe ich mich aber auch nicht. Eher an der Tatsache, dass Doubt einen etwas zu kalt lässt, er ist "emotionally distant", was man in letzter Zeit The Reader gerne vorwirft. Obwohl man einige Sympathien für Amy Adams hegt, überzeugt auch sie einen nicht ganz zu 100%. Ansonsten aber ist Doubt ein sehr gelungener Film. Shanleys Drehbuch und Roger Deakins' Kameraarbeit sind schlichtweg Weltklasse und der hochklassige Cast ist sowieso toll. Meryl Streep, Philip Seymour Hoffman, Amy Adams und auch Viola Davis mit ihrem Mini-Auftritt spielen allesamt auf höchstem Niveau - sehr lebensnah und glaubwürdig. Die Fragen, die der Film offen lässt, regen zu Diskussionen an, sehr gut gemacht! [Editiert von El Chupanebrey am 2009-02-27 15:25:27] |
Wow, was mir wirklich langfristig im Gedächtnis bleiben wird, ist das Dreigespann Adams-Hoffmann-Streep. Jeder hat eine klare Rolle, die er oder sie perfekt spielt. Amy Adams spielt eine junge Nonne, die noch voller Elan und Freude an die Arbeit herangeht. Wer könnte eine naive Nonne auch besser spielen? Adams hat schon oft bewiesen, dass sie das draufhat. Philip Seymour Hofmann, der den "Priester unter Verdacht" gibt, spielt ihn so verwirrend, dass der Zuschauer am Ende nicht weiß, wem er jetzt glauben soll. Dem Priester oder doch der Schuldirektorin, die von Meryl Streep verkörpert wird. Gerade in den Streitgesprächen mit Hoffmann zeigt Streep (was anderes sind wir auch nicht von ihr gewohnt Obwohl die Geschichte 1964 spielt, ist sie angesichts der Missbrauchsvorwürfe in der katholischen Kirche leider immer noch sehr aktuell. Dennoch ist es sehr erstaunlich, dass im ganzen Film nicht ein einziges Mal das M-Wort fällt. Trotzdem weiß jeder was gemeint ist. Alles in allem ein beeindruckender Film, aber einmal anschauen reicht. Natürlich ist das offene Ende so gewollt, aber ich hätte es besser gefunden, wenn es eine klare "Wahrheit" am Ende gegeben hätte. Daher nur 4 Punkte. [Editiert von VesperLynd89 am 2011-03-28 22:52:41] |

