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Beitrag Ben X

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Ben X oder: Kommt nach dem Tod ein reboot?


Als ich zum ersten Mal von Ben X hörte, war ich sofort von seinem Konzept fasziniert: Ein leicht authistischer Junge zieht sich immer mehr in ein Computergame zurück, um so dem Horror des Alltags zu entgehen, bis die Realität immer mehr mit dem Game verschmilzt, und die letzten Dämme der Beherrschung brechen. Ein Szenario, das sicher Potential hat, dachte ich mir. Allerdings irrte ich mich: Ben X hat sehr viel mehr Potential, und ist zum Glück weit von dem erwarteten "Gamer goes postal" - Handlungsablauf entfernt.

"Based on True Events" wird beim Intro ebenfalls eingeblendet. Eine Behauptung, welche in diesem Fall doch auf dünnem Eis steht, denn bis auf den Punkt, dass ein leicht autistischer Junge wegen Mobbing Selbstmord begangen hat, hat Ben X kaum etwas mit dem ursprünglichen Vorfall zu tun. Dennoch spricht Ben X unterschwellig viele Probleme der heutigen Gesellschaft an: Unterdrückung der Menschen, die "anders" sind, Mobbing, Cybermobbing, Realitätsverlust, Vereinsamung und Selbstmordgedanken, sind heute für immer mehr Jugendliche ein Thema. Ben X beschäftigt sich sehr eingehend mit diesen Problemen und webt sie nach und nach zu einer dichten Handlung zusammen, die immer nachdenklicher stimmt. Letztendlich bleibt die Frage hängen: Muss wirklich jemand sterben, bis die Menschen merken, dass sie zu weit gegangen sind?

Als Film ist Ben X ein Hybrid aus Ingame-Grafik aus dem PC-Online-Game Archlord sowie realen Aufnahmen. Dabei wird mit sehr einfachen Mitteln verdeutlicht, wie Ben sich immer wieder in seine PC-Welt flüchtet, um das zu ertragen, was zurzeit mit ihm geschieht. Hier kann Ben X auch mit grossartiger Kameraführung und mit einem ausgezeichneten Hauptdarsteller punkten, der den autistischen Jungen nahezu perfekt verkörpert. Das gibt dem Film über den Verlauf eine emotionale Tiefe, welche berührt und einem bis zum überraschenden Ende nicht mehr loslässt. Ein sehr guter Film für einen Erstlingsregisseur.

Fazit: Wie heisst's doch so schön, "stille Wasser gründen Tief". Ben X fängt als harmloser, beinahe tagebuchartiger Film an, der den Tag eines jungen Gamers dokumentiert. Über die Laufzeit enthüllt er aber immer mehr Ebenen, was oberflächlich angefangen hat erhält Tiefe und Bedeutung. Dank grossartiger Schauspieler und einer packendenden Mischung aus guter Kameraarbeit und Game-Grafiken, wird eine spannende, abwechslungsreiche und oben drauf noch überraschende Geschichte erzählt, zu welcher auch nicht-Gamer ohne Probleme Zugang finden können. Eine Geschichte, die berührt und sicher auch nachdenklich zurücklässt.

Die DVD präsentiert den Film in einer sehr scharfen Bildqualität und überrascht auch mit gutem Sound. Das Bonusmaterial hingegen deutet wieder auf ein kleines Budget hin, denn ausser zwei Interviews mit dem Regisseur und Hauptdarsteller gibt es nur einen Clip vom Filmfestival Montreal. Der Rest ist in Text gehalten, informiert aber inhaltlich gut. Allerdings hätte ich gerne über die Entstehung des Filmes sowie die Kooperation mit den ArchLord-Machern erfahren. Denn diese stellen kaum einfach so ihr Game für einen Film zur Verfügung.

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db's Wertung: 5 Sterne


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