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Beitrag Kirschblüten - Hanami

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Kirschblüten - Hanami oder: Das Leben als Kirschblüte


Doris Dörrie zieht es als Regisseurin regelmässig nach Japan. Bereits 2000 schickte sie in Erleuchtung - garantiert die Gebrüder Uwe und Gustav zu einer zenbuddhistischen Erleuchtung auf die Insel. In ihrem neuen, preisgekrönten Film Kirschblüten - Hanami geht es erneut ins Land der aufgehenden Sonne, indem sich Dörrie eines weiteren Klischee-Bild des Landes bedient. Hanami, die "Blumenschau", ist ein alljährlich wiederkehrendes Ritual, wo sich Jung und Alt unter den für wenige Tage blühenden Kirschbäumen gesellig betrinken und der Vergänglichkeit frönen. Das Thema der Flüchtigkeit des Lebens zieht sich schliesslich durch alle Facetten ihres neuen Films.

Da wären Trudi und Rudi, die von Hannelore Elsner und Elmar Wepper mit soviel Würde und Intensität gespielt werden, dass man hoffen mag ihre Liebe möge nie enden. Jedoch weiss man von der ersten Szene an, dass sich dieser Wunsch nicht erfüllen wird. Der gesamte Film wird dadurch zu einem herzzerreissenden Genuss des Moments. Die emotional distanzierte Beziehung zu den Kindern überzeugt durch Momente, die mit wenigen Worten durchdringend inszeniert werden. Der Leere wird, ähnlich wie in japanischen Filmen, viel Platz eingeräumt. Rudi, der Protagonist, bleibt für seine Kinder der ewige Unverstandene, doch dem Zuschauer wächst er schnell ans Herz. Lediglich Franzi (Nadja Uhl), die Freundin der Tochter, und die japanische Begleiterin Yu (Aya Irizuki) erkennen als einfühlsame Aussenstehende Rudis Liebenswürdigkeit.

Der imposante Kulissenwechsel nach Japan wird zu Rudis Reise in die Seele seiner verstorbenen Frau. Erst die Fremde gibt ihm die Möglichkeit zur Reflexion. Seine Interaktion mit Tokio, die ohne Drehbewilligung aufgenommen wurde, wirkt so spontan, dass man sich mitten im Leben wähnt und nicht in einem Film mit vorgegebener Handlung. Dieses Spiel zwischen Fiktion und Realität, das Dörrie mit einer Digitalkamera gekonnt eingefangen hat, ist eine grosse Stärke von Kirschblüten - Hanami. Die Passanten sind die Statisten, die unverfroren ins Geschehen miteinbezogen werden. Die ganz grossen Augenblicke sind Rudis Butoh-Tanzeinlagen und die Szenen, in der er Frauenkleider trägt, die dank Elmar Weppers würdevollem Auftritt nie ins Lächerliche abrutschen, sondern den Film mit viel Wärme bereichern.

Doris Dörries Flair für gute Geschichten und für die einnehmende Atmosphäre, die überragende Interpretation Rudis durch Elmar Wepper und ein starkes Ensemble von Nebendarstellern bilden die Erfolgskomponenten dieser mitfühlenden Erzählung. Mit Kirschblüten - Hanami ist ein starkes Stück deutsches Autorenkino entstanden.

Die DVD ist, wie schön, mit einer separaten Bonus-DVD gesegnet worden. Darin enthalten sind ein überaus interessantes Making-of des Bayrischen Fernsehens, die Pressekonferenz an der 58. Berlinale, die Butoh-Tanzszenen von Tadashi Endo, ein Zusammenschnitt der Verleihung des Deutschen Filmpreises, entfallene Szene im Rohschnitt, Interviews mit der Regisseurin, den Produzenten und den Darstellern und zuletzt noch eine schöne Fotogalerie. Eine Empfehlung an alle Fans des Films.

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jak's Wertung: 6 Sterne


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