Forum Movies - Reviews: DVDs & Blu-rays
Beitrag Control
Control oder: Love has torn him apart Ian Curtis war 23 Jahre alt, als er starb. Wieso es so viele Filmminuten braucht, um solch ein kurzes Leben auf solch trockene Art und Weise zu präsentieren, ist absolut unerklärlich. Minutenlange Einstellungen, in denen nichts passiert, sind Regisseur Anton Corbijns liebste Erzählform: Curtis liegt auf dem Bett und raucht; zwei englische Jungs stochern in ihrem Essen rum. Ab und zu wird die Langeweile mit einem Song unterbrochen, doch auch diese werden immer nach dem gleichen Muster gezeigt: Curtis ist verschwitzt, singt, hampelt ein wenig, Song vorbei. Später im Film kriegt er dann mehrmals während des Singens einen epileptischen Anfall, doch auch das berührt nicht wirklich. Offensichtlich war es die Absicht des Regisseurs, die aussichtslosen Verhältnisse der Manchester-Jugend in den 70er Jahren zu porträtieren, ihre Nonchalance, ihre Kein-Bock-Attitüde. Dabei hat er offenbar vergessen oder verdrängt, dass sich absolute Langeweile nicht gut mit dem Medium Film verträgt. Man geht nicht in einen Film, oder kauft ihn sich auf DVD, um beim Betrachten zu spüren, wie man älter wird. Es kann auch nicht sein, dass nur Fans von Joy Division den Film letztendlich werden mögen können. Der Anspruch Corbijns hätte sicherlich sein müssen, auch einem Nichtkenner der Band einen Zugang zu ihrer Geschichte und Curtis‘ Leben zu eröffnen. Corbijn zeigt Curtis zunächst als ernsten, leicht überheblichen, jungen Mann, der sich seines Talentes so sicher ist, dass sich der Erfolg tatsächlich einstellt. Später nimmt er diese Interpretation plötzlich zurück. Ian sagt: "Das war alles nicht so geplant". Corbijn hat nicht rechtzeitig gemerkt, dass er keine wirkliche Geschichte hat, und das, obwohl Deborah Curtis (Ians Witwe) am Drehbuch mitgearbeitet hat. Noch erstaunlicher ist, dass Sam Riley und Samantha Mortons Schauspiel exquisit ist. Wenn sie das Glück haben, eine echte Szene spielen zu dürfen, sind sie elektrisierend, magnetisch, glaubwürdig. Es ist mir schleierhaft wieso trotz solcher Schauspieler der Finger an der Fernbedienung gern den Vorspulknopf drückt. Um dem Elend noch eins draufzusetzen, wurde der Film von einem Kameramann und einem Beleuchter gedreht, die offensichtlich keine Ahnung hatten, wie man Schwarz/Weiss fotografiert und belichtet. Herausgekommen sind triste, kontrastlose Bilder, wenig Tiefenschärfe, in einem einheitlichen Grauton verschwimmend. Schon bei der ersten Szene fällt dieser fatale Fehler auf und hält sich beharrlich auch im Rest des Filmes. Die DVD macht dem schlechtem Inhalt und der grauenvollen Umsetzung alle Ehre. Noch vor dem Menü wird man von einem Trailer angefallen; Extras gibt es keine bis auf einen Audiokommentar von Anton Corbijn und den Kinotrailer zu Control und "weitere Filmtipps", die nur weitere Werbung für drei völlig unbekannte Filme sind. |
Naja, aru, ich würde nach dieser Kritik schonmal Polizeischutz beantragen. Und beim Review eine 1,5 zu setzen und dann als eigene Wertung eine 0 zu geben zeugt auch von unglaublichem Sportsgeist. [Editiert von El Chupanebrey am 2009-01-24 20:53:41] |
Jawohl aru, Polizeischutz wäre jetzt eine gute Idee. Wenn du das nächste Mal aus dem Haus gehst, werde ich dir nämlich hinter einer Ecke auflauern und dich mit der Collecters Edition von "Unknown Pleasures" erschlagen. Oder ich ersteche dich mit mit dem Splitter einer "Closer"-Schallplatte, aber das wäre es mir dann nicht wert. Genug der Witze. Es geht hier schliesslich um den - meines Erachtens - bisher drittbesten Film des Jahres. Ich habe dein Review jetzt zwei Mal gelesen, weil ich ja schliesslich nicht einfach einen blöden Kommentar abgeben, sondern nachvollziehbar begründen wollte, warum du den Punkt überhaupt nicht triffst. Das fällt mir jetzt zugegeben etwas schwer. Es fällt mir schwer, auf dein Review einzugehen, weil es in meinen Augen so rein gar nichts mit diesem Film zu tun hat. Darum, bitte verzeih es mir, beschränke ich mich auf drei Statements: 1. "Grosse Emotionen" durch pathetische Musik, viele Tränen und kitschige Bilder erzeugen kann jedes Kleinkind in Hollywood. Solche Filme sind weder Kunst, noch kümmert sich in 20 Jahren noch irgendwer darum. Ausserdem haben sie mit der Realität etwa so viel zu tun wie Greenpeace und MacDonalds. Du hast schon Recht, während diesen 122 Minuten geschieht nicht so viel, es fliegen keine Hochhäuser in die Luft, allgemein grosse Konflikte sucht man hier vergebens, mit dem Holzhammer vorgetragene drastische Szenen fehlen auch. Stattdessen sehen wir einen jungen, schweigsamen, verschlossenen Mann, der nicht für diese Welt geschaffen zu sein scheint, der mit all den Problemen unserer Existenz und den Verwicklungen der zwischenmenschlichen Beziehungen nicht klar kommt, der sich in seiner Musik völlig entlädt - düster, tranceartig, melancholisch, wütend, persönlich. Aber wenn man sich an anderes, etwas weniger subtiles und realistisches Kino gewöhnt ist, dann dünkt ein das wahrscheinlich ziemlich langweilig. Dann sollte man aber auch eher zu "Der Patriot" und Konsorte greifen. 2. Du scheinst keine grosse Ahnung von Fotographie zu haben. Anton Corbijn hat es. 3. Der Film gefällt sicher nicht nur Joy Division Fans, weil er viel mehr bietet als ein paar Musikstücke. Ich bin ein Fan der Band, ja, und zwar seit ich diesen Film im Kino gesehen habe. PS: Noch eine abschliessende Bitte an outnow: Keine Ahnung wie ihr das regelt, aber lasst bitte nicht jemand ein Review zu einem Independentfilm schreiben, der mit dieser Art Film scheinbar grundsätzlich nichts anfangen kann. Und schon gar nicht zu einem so Guten. PPS: Nichts gegen dich persönlich aru, bei Ben X verstanden wir uns ja ganz gut. |
Unglaublich wie gross sich die Kino- und DVD Kritik unterscheiden. Ich habe den Film jedoch gesehen und habe ehrlich gesagt mehr erwartet. Ein schlechter Film ist dabei jedoch nicht herausgekommen. Einfach ein Recht durchschnittlicher, immerhin gut gefilmter und mit begabten Schauspielern besetzter Streifen. |


