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Beitrag Patti Smith: Dream of Life
Patti Smith: Dream of Life oder: Die B-Side von Patti Smith Ein Filmporträt über einen grossen Künstler wird selten den hohen Erwartungen gerecht. Meistens entstehen dabei Dokumentationen im Stile einer Making-of-Produktion mit einem hollywoodschen Dramaturbogen inklusive Happy End. Seriell produzierte, austauschbare Porträts. Es gibt aber Ausnahmen. Imagine: John Lennon von Andrew Solt und No Direction Home: Bob Dylan von Martin Scorsese haben in diesem Genre neue Standards gesetzt. Todd Haynes beschritt mit I'm not There gar ganz neue, kreative Wege. Steven Sebring wagt mit Patti Smith: Dream of Life einen dritten Weg. Sein Porträt über Patti Smith wirkt fast wie ein privates Familienvideo. Sebrings Dokumentation erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und rettet damit den Film vor langen Ausführungen und Verkrampfungen. Mit seinen stilistisch verwackelten, körnigen Aufnahmen, die manchmal Schwarz-Weiss, manchmal in Farbe daherkommen, erzeugt der Fotograf und Regisseur Sebring ein mit vielen Eindrücken gespicktes, cineastisches Fotoalbum. Der Regisseur gewährt uns einen ausschnitthaften Blick auf Patti Smiths Leben von 1995 bis 2006, sorgfältig angereichert mit älterem Bildmaterial. Fast wie ein Voyeur meint man ihren Monologen in ihrer Zimmerecke zuhören zu können. Es mag vielleicht der distanzierte Blick auf die Protagonistin fehlen, aber es ist gerade die Nähe und Vertrautheit Sebrings zu Smith, die dem Film eine ungewohnte Intimität schenken. Ihren Lebensweg vom Mädchen aus South Jersey zur Rockikone, Poetin und Politaktivistin erzählt Patti Smith zu Beginn gleich selbst. Das macht es auch den Zuschauern leicht, die mit ihrer Person nicht vertraut sein sollten. Glücklicherweise verzichtet Sebring in der Folge auf klischierte, unkritische Interviews mit Freunden und Verwandten der porträtierten Person. Im Gegenteil, Patti Smith führt ganz alleine durch den Film. Sie ist die Gastgeberin und Sebring der Gast. Dabei entsteht eine Alltagsatmosphäre, die eine neue Perspektive auf Patti Smith erlaubt. Geduldig und geistreich philosophiert sie über das Leben, amüsant führt sie Gespräche mit ihren Freunden, inspirierend zitiert sie ihre poetischen Vorbilder Rimbaud, Blake oder Ginsberg, bewegend spricht sie über den Verlust ihres Bruders und bewaffnet mit einer alten Polaroid-Kamera und einem Notizblock beobachtet sie aufmerksam ihre Umwelt, um im nächsten Augenblick den Zuschauer mit ihrer einnehmenden Bühnenpräsenz wuchtig und wortgewaltig vom Sitz zu hauen. Steven Sebrings Patti Smith: Dream of Life bringt mit vielen spontanen Eindrücken, Konzertausschnitten, Photos, Begegnungen und mit altem Bildmaterial eine spannende B-Side hervor, die man von Patti Smith vor diesem Filmprojekt nur erahnen konnte. Der Film darf sich mit sich mit Imagine: John Lennon und No Direction Home: Bob Dylan messen lassen. |

