Forum Movies - Reviews: DVDs & Blu-rays
Beitrag Le scaphandre et le papillon
Le scaphandre et le papillon oder: In Würde Abschied nehmen Man mag es kaum glauben: Julian Schnabel hat in den letzten zwölf Jahren erst drei Spielfilme gedreht. Als erfolgreicher Maler kann er sich dies erlauben. Dementsprechend sind seine Filmprojekte handverlesen und jedes einzelne eine Perle. "Schmetterling und Taucherglocke" setzt dabei thematisch und qualitativ an Schnabels zwei vorherige Filme an (Basquiat, Before Night Falls). Mit Jean-Dominique Bauby, dem ehemaligen Chefredakteur von "Elle", geht es wieder um eine kreative Persönlichkeit unserer Zeit, deren Leben sich schlagartig verändert. Die Diagnose: "Locked-in-Syndrom". Der Einstieg ist eindrücklich. Sofort finden sich Bauby (Mathieu Almaric) und mit ihm zusammen die Zuschauer auf einem Krankenbett wieder, begafft von Krankenschwestern und Ärzten. Indem der Film aus der direkten Perspektive des noch funktionierenden Auges von Bauby gefilmt wurde und seine Gedanken stets im Off hörbar sind, entsteht weniger Mitleid, als vielmehr ein unmittelbares Identifikationsgefühl mit dem Betroffenen. Klaustrophobe Gefühle stellen sich ein, die Taucherglocke wird zur Metapher. Der Film entwickelt sich zu einem Bewusstseinsprozess für den Betroffenen und im Endeffekt für das Publikum selbst. Erst als Bauby sein Schicksal akzeptiert, wechselt die Kameraperspektive. Der Zuschauer darf endlich aufatmen. In seinem tristen Alltag werden die Fantasie und die Erinnerungen zu einer malerischen Collage seines Lebens. Lustvoll lechzt er nach Austern und Frauen und in einer Rückblende gerät ein liebevoller Dialog mit seinem Vater (eindrücklich gespielt von Max von Sydow) zu einer unbewussten Abschiedsszene. Die Terrasse des Spitals wird zu seiner Cinecittà. Sogar das Buchstabieren wird mit Baubys Humor zu einem Erlebnis. Die Ruhe und Beständigkeit von Janusz Kaminskis (Schindler's List, Saving Private Ryan) Bildern, die fantastischen Schauspieler, deren Mimik man selten von so nah beobachten durfte, Julian Schnabels einmaliger Riecher für unvergessliche Geschichten und eine starke musikalische Unterlegung (u.a. Tom Waits, U2, Charles Trenet), die nachklingt, machen diese Filmadaption von Jean-Dominique Baubys einzigartigem Selbstzeugnis zu einem Meisterwerk. Es wäre zu wünschen, dass Julian Schnabel nicht erst in sieben Jahren wieder einen neuen Film dreht, aber vielleicht sind es gerade diese kreativen Unterbrüche, die den Regisseur immer wieder zur Höchstform auflaufen lassen. Die DVD enthält überdies ein rund 50minütiges Bonusmaterial. Ein Making-of, eine Dokumentation über die technische Machart von Kaminskis starker Bildsprache, ein Interview mit Julian Schnabel bei Charlie Rose, eine Photogalerie und natürlich der Trailer zum Film komplementieren das überaus empfehlenswerte Werk. |
Genialer Film zu einem genialen Buch. Schnabel hat meiner Meinung nach die einerseits traurige, andererseits aber auch hoffnungsvolle Stimmung des Buches von Bauby sehr schön eingefangen. |


