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Half Nelson oder: Lehrer sind auch nur Menschen


Ryan Gosling begeisterte Anfang dieses Jahres in Lars and the Real Girl und bestätigte das Urteil, das aus dem Jungspund aus Murder by Numbers ein richtig guter Schauspieler geworden ist. Mit Half Nelson ging der junge Mann den ersten Schritt in diese Richtung, wurde dafür mit einer Oscarnominierung belohnt und gehört inzwischen zu den jungen Mimen, die man auch in anspruchsvollen Filmen einsetzen darf (oder sogar muss).

Half Nelson ist ein Drama, das eine lange Zeit braucht, um richtig zu vermitteln, was genau das Thema der Geschichte ist. Anfänglich sitzt man als Zuschauer nämlich vor dem Fernseher und fragt sich, wann genau die Geschichte los geht und wie sich diese in der restlichen Zeit denn noch entwickeln kann, wenn eine solch lange Vorbereitungszeit nötig ist. Trotzdem vermag der Film zu interessieren und lebt vor allem von seinem tollen Hauptdarsteller und dessen Zusammenspiel mit seinen Kollegen. Dass dieser nette, junge Mann natürlich auch Dreck am Stecken haben muss, wird bald klar und bei der ersten Drogensession auch offensichtlich. Damit wird die Dramatik lanciert und der Film darf seine Stärken ausspielen.

Im Mittelpunkt steht Ryan Gosling, der diese schwierige Rolle des netten Lehrers mit dunklen Momenten sehr überzeugend spielt und damit beweist, dass er für Höheres berufen ist. Shareeka Epps steht ihm da in nichts nach und punktet durch ihre Authenzität und ihre Natürlichkeit.

Fazit: Half Nelson braucht ein bisschen, bis er sich gefunden hat, entwickelt sich aber danach zum interessanten Drama, das aber schlussendlich ein bisschen zu lang geraten ist. Zumal die Kamerafahrten grösstenteils ohne Stativ durchgeführt werden und die Bilder entsprechend wackeln und unruhig sind. Definitiv kein Film zum nebenher gucken oder für einen Kumpel-Abend vor dem Fernseher. Und ebenso wenig einer für die Massen. Wer aber gern mal etwas aus der Kommerzschiene ausfallen will, der hat mit Half Nelson eine gar nicht so schlechte Alternative.

Die DVD ist quantitativ schön gefüllt worden, bietet aber qualitativ eher Ernüchterndes. Die Extended- und Deleted Scenes sind nett, die Bloopers teilweise recht witzig (vor allem Ryan Gosling selber entpuppt sich als Spassvogel) und der Audiokommentar vielfach recht interessant. Das Musikvideo ist Geschmacksache und eine Galerie ist wohl inzwischen in fast jeder DVD-Ausführung vorhanden.

Technisch wird Standardware geboten. Zwei Sprachversionen sind auswählbar und bieten klaren Digital 5.1-Sound, wobei natürlich die englische Fassung vorzuziehen ist. Denn solche Dramen bringen in deutscher Synchro selten die gleiche Qualität an den Tag. Das Bild ist (wohl absichtlich) kein Hochglanzprodukt geworden, passt aber hervorragend zu der etwas "dreckigen" und lebensnahen Machart des Films.

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muri's Wertung: 3.5 Sterne


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