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Beitrag No Country for Old Men

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No Country for Old Men oder: Aufruhr in Texas


Man kommt nicht um ihn herum, wenn von No Country for old men geschrieben wird. Javier Bardem, der in Perdita Durango wahnsinnig war und in Mar Adentro ans Bett gefesselt. Wie er in diesem Film der Coen-Brüder den Killer "Chigurh" mit der stets gleichen Mimik, der absolut tödlichen Ruhe und Coolness und der totale Überlegenheit mimt, ist schon herausragend. Nicht umsonst wurde der Spanier dafür mit dem Oscar 2008 ausgezeichnet.

Der ganze Film im tiefen Texas hat die Bärenruhe inne. Kaum einmal wird es am Anfang hektisch, die Figuren sind sich nichts anderes gewohnt und vor allem Tommy Lee Jones grummelt selbst beim Anblick einer Leiche unverständliches vor sich hin. Kann der Mann eigentlich noch etwas anderes? Bereits in In the Valley of Elah spielt er einen ähnlichen Charakter. Das aber beide Male sehr überzeugend.

Der Dritte im Bunde der Hauptdarsteller ist Josh Brolin (Planet Terror, bald als US-Präsident in W. zu sehen), der ebenfalls zu überzeugen mag, auch wenn er, und inzwischen dürften das die meisten wissen, einen ziemlich unrümlichen Abgang hat. Aber die Coens verstehen es ja nicht erst seit Fargo, den Zuschauer auch mal zu überraschen.

Der Film ist anspruchsvoll und fordert teilweise auch etwas Sitzfleisch, wenn die Szenen nicht enden wollen oder man ab dem texanischen Gemurmel mal wieder nur die Hälfte versteht. Und trotzdem ist No Country for old men eine tolle Sache geworden, die, wenn man sich auf die Story und die skurrilen Charaktere einlässt, total zu überzeugen mag.

Fazit: No Country for old men wurde 2008 für acht Oscar nominiert und nahm schlussendlich vier Statuen nachhause. Und das mehr als verdient. Die Story ist interessant, der Scheitel von Javier Bardem ist alleine schon den Kaufpreis der DVD wert und wer sich einmal ein bisschen abseits des Mainstreams unterhalten lassen will, dürfte hier einen kommenden Kultfilm zu sehen kriegen.

Interessant sind auch die Features auf der DVD. Die Gebrüder Coen sind durch ihre schrägen Filme bekannt geworden und ein kleines Feature berichtet nun über ihren Regiestil. Sind die Beiden auch während der Dreharbeiten so komisch wie ihre finalen Filme? Mehr über den Film an sich und einen schönen Blick hinter die Kulissen bietet das "Making-Of", in dem die Stars und viele der Involvierten zu Wort kommen. Interessant ist es allemal. Zum Abschluss der Extras wird noch ein spezielles Auge auf Tommy Lee Jones geworfen. Was hat der Schauspieler selber zum finalen Charakter beigetragen? Warum wollte er in so spielen, wie er es schlussendlich gemacht hat? Antworten dazu gibt der Blick ins "Tagebuch eines Sherrifs"

Technisch überrascht die DVD mit einem glasklaren Bild. Man darf zwar in der Zwischenzeit davon ausgehen, das vor allem "frische" Kinofilme gut auf DVD übernommen werden, aber die Schärfe der Bilder in No Country for old men ist dennoch überraschend toll geworden. Auch der Ton vermag absolut zu überzeugen und macht das tolle Gesamtpaket komplett. Starker Film, interessante DVD-Features und hervorragende, technische Ausstattung. Die unbeschränkte Kaufempfehlung ist somit nur noch Formsache.

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muri's Wertung: 5 Sterne

Gefällt auf DVD in ruhiger Atmosphäre noch ein Spürrchen besser als im Kino, an den Dude kommt aber auch das Gemetzel in West-Texas nicht heran. Alles in allem aber ist der Streifen ein klares Must-Have für jede DVD-Collection.

Chemic's Wertung: 4.0 Sterne

grooooooosses kino! ganz grosses kino! und absolut fantastischer dvd transfer, wow!

pb's Wertung: 6.0 Sterne

Ich habe mir No Country For Old Men gestern noch ein drittes Mal angesehen und er hat mich einmal mehr überwältigt (obwohl ich sagen muss, dass er auf der grossen Leinwand am besten aufgehoben ist). Doch mir sind einige Dinge aufgefallen, die ich gerne diskutiert hätte (Keine Angst, ich glaube, ich habe den Film bestens verstanden). Auch auf imdb haben sich bereits einige so ihre Gedanken zum einen oder anderen Punkt gemacht. Mal sehen, wie das hier ankommt.

1. Was genau ist die Bedeutung der Szene, in welcher Chigurh versucht, den Raben abzuschiessen?
Die Szene hat scheinbar keine Relevanz und passt auch sonst nicht so richtig in den Film (hat noch einige weitere derartige Szenen). Ich kam zum selben Schluss wie die imdb-User: eine Metapher. Die auf imdb vorgeschlagene Bedeutung finde ich, auch wenn sie etwas weit hergeholt und auch etwas gar dramatisch ist, vertretbar: Chigurh steht in einem gewissen Sinne ja für das sinnlose und unaufhaltsame Böse (oder?). Er hat die Macht über andere - entsprechend ist er ja nur zweimal richtig in Gefahr.

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Das erste Mal bei seinem Schusswechsel mit Moss, das zweite Mal bei seinem Autounfall, aus dem er aber auch lebend rauskommt. Dazu übrigens: Wir haben gesehen, wie sich Chigurh nach einem Schuss ins Bein problemlos selber verarzten kann. Wir können also wohl auch davon ausgehen, dass er auch mit seinem ziemlich gravierdenden Unterarmbruch fertig werden wird. Das nur am Rande.


Er versucht also, einen Raben zu erschiessen. Der Rabe wird in der Literatur gerne als Symbol des Todes verwendet. Heisst das also, dass hier gezeigt wird, dass nicht einmal Chigurh den Tod besiegen kann (er verfehlt den Raben ja)?

2. Stirbt der Buchhalter?

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Nach Chigurhs Mord an Wells und dessen Auftraggeber spielt sich folgender Dialog zwischen ihm und dem anwesenden Buchhalter ab:

Chigurh: Who are you?
Accountant: Me?
Chigurh: Yes.
Accountant: Nobody... accounting.
Chigurh: He gave the Mexicans a receiver.
Accountant: He feels... he felt that the more people looking...
Chigurh: That's foolish. You pick the one right tool.
Accountant: I see. Are you going to shoot me?
Chigurh: That depends. Do you see me?

Bestätigt Chigurh hier einfach die Theorie, dass, wer auch immer ihn sieht, stirbt? Gut, im Falle des Tankstellenbetreibers war dies ja nicht so, aber Ausnahmen bestätigen die Regel, oder? Ausserdem hat er dort ja die Münze entscheiden lassen. Diese Szene hier kam mir auch spontan in den Sinn, als Bell den Gedanken äusserte, dass Chigurh ein Geist ist.

Eine weitere Frage ist natürlich die, ob Carla Jean stirbt. Dort lautet aber die Antwort: "Eher ja." Man erkennt klar die Parallele zwischen dem Mord an Wells (Chigurh schützt seine Schuhe vor dem Blut) und dem möglichen Mord an Carla Jean (Er putzt seine Schuhe ab - er hätte durch das Blut laufen müssen, da sie im Ausgang des Raumes stand. Im Buch ist ihr Schicksal übrigens ebenfalls offen.

3. Hat Ellis eine tiefere Bedeutung?
Der Gesprächspartner von Bell wurde auf imdb als das Symbol für Gott bezeichnet, was ich aber nicht glaube.
Klar, er redet mit Bell darüber, dass es auch früher schon unvorstellbares Verbrechen gegeben hat, aber steckt da wohl noch mehr dahinter?

So, das waren ein paar Gedanken, die ich mir gemacht habe. Hoffe, ich bekomme ein paar Reaktionen.

El Chupanebrey's Wertung: 6.0 Sterne

Offene Spoiler enthalten!

@Chupa
Das mit dem Buchhalter ist eine sehr sehr interessante Frage. Ich sage: Er stirbt nicht.
Chigurh tötet schliesslich nicht grundlos. Er mordet emotionslos, unaufhaltbar, unerbittlich etc., aber er hat immer einen Grund dazu. Sei es, dass es ein Mittel zum Zweck ist (Auto klauen eg), weil er provoziert wurde (Tankstelle) oder weil es einfach seine Aufgabe ist. Wäre der Buchhalter gleich schreiend davongerannt, hätte ihn Chigurh ohne wenn und aber erschossen. Tatsache ist aber, dass der Buchhalter ziemlich gefasst bleibt und somit Chigurh keinen Grund gibt, ihn zu töten. Allein die Tatsache, dass wir die beiden vor dem Schnitt kurz regungslos rumstehen sehen, lässt mich vermuten, dass der Buchhalter überlebt, weil Chigurh sonst nie zögert. Das ist jetzt sicher etwas gar weit hergeholt, aber vielleicht ist genau dieser Buchhalter der "Schlüssel", wie man Chigurhs Bekanntschaft überleben kann. Spekulationen über Spekulationen...

Carla Jean stirbt für mich ganz ohne Frage, denn hier ist es Chigurhs "Pflicht", sie zu töten. Da gibt es kein wenn und aber.

Ich denke nicht, dass Ellis Gott darstellen sollte. Meine Interpretation wäre, dass er einfach ein Relikt dieser "alten Zeit" ist. Er ist das mehr als Bell, weil er niemals versucht zu haben scheint, sich anzupassen. Genau deswegen hat er wahrscheinlich mehr "Abstand" zur heutigen Gesellschaft und kann sehen, dass sie gar nicht gross anders ist als "damals".

jon's Wertung: 6.0 Sterne

wir sind uns wiederum in so manchen (filmischen) punkten einig.

pb's Wertung: 6.0 Sterne

no country for old men ist von der ersten einstellung an faszinierend: bilder, sprache, stimmung, optik, dialoge - sensationell!
die erste stunde ist schlichtweg umwerfend, nicht zuletzt aufgrund von javier bardems schauspiel: der mann hat ohne wenn und aber den oscar verdient!
dann kam die zweite hälfte und allmählich wurde mir langsam anders: die z.t. explizite brutalität war mir persönlich doch etwas zu exzessiv und die dialoge nehmen gegen schluss hin drastisch zu und zusammen mit dem wirklich abrupten ende löste es in mir im ersten moment ein grosses "häää?!??" aus. (habe mir anschliessend noch die bonus features angetan, die allesamt sehr aufschlussreich sind und das eine und andere klarstellten... ;))
alles in allem ein coen-streifen, den ich mir vermutlich noch zum wiederholten mal antun werde. vorerst gibt's von mir fette 5 sternchens...

farossi's Wertung: 5.0 Sterne

Hast dich also wieder an einen Coen-Streifen herangetraut? Super, kann ich da nur sagen! :) Das Brüderpaar scheint bei dir ja gerne "Hä?"-Erlebnisse hervorzurufen (*The Big Lebowski*), deshalb empfehle ich dir wirklich das wiederholte Studium der Filme, die du gesehen hast (und hoffentlich noch sehen wirst). Wegen dem Ende (Bells Monolog ist eine meiner Lieblingsszenen): Hier kannst du einer diesbezüglichen Diskussion folgen.

El Chupanebrey's Wertung: 6.0 Sterne

Zitat El Chupanebrey (2009-03-01 18:04:30)

Hast dich also wieder an einen Coen-Streifen herangetraut?

jep, der stand schliesslich schon seit einiger zeit auf meiner to-view liste ;)

Super, kann ich da nur sagen! :) Das Brüderpaar scheint bei dir ja gerne "Hä?"-Erlebnisse hervorzurufen (*The Big Lebowski*),

nun gut, zwischen dem dude und "no country" liegen auch welten. der hier hat mich vom ersten augenblick weg schlichtweg in seinen bann gezogen. beim dude wartete ich irgendwie auf "weiss-noch-heute-nicht-genau-was" (;))

deshalb empfehle ich dir wirklich das wiederholte Studium der Filme, die du gesehen hast (und hoffentlich noch sehen wirst).

danke für die ermutigung. i will do that...

Wegen dem Ende (Bells Monolog ist eine meiner Lieblingsszenen): Hier kannst du einer diesbezüglichen Diskussion folgen.

eine wirklich erhellende diskussion :d
irgendwie bin etwas beruhigt, dass es dabei nicht nur mir ähnlich ergangen ist.

diese coens lösen langsam eine gewisse faszination auf mich aus. immerhin ist es in meinen augen ein grosses plus, wenn man am "day-after" konstruktiv über einen film diskutieren kann - und no country for old men hat dies mehr als erfüllt!

farossi's Wertung: 5.0 Sterne

Ach ja, farossi: Hier gibts den Film vereinfacht. :d;) Ist nicht bös gemeint, aber das Filmchen ist neu und ich finds ganz witzig...

El Chupanebrey's Wertung: 6.0 Sterne

Erledigt.

[Editiert von Dirty Harry am 2009-07-29 00:56:07]

jon's Wertung: 6.0 Sterne

Zitat Dirty Harry (2009-07-28 22:19:51)

Gibts eigentlich irgendwelche Infos, wie die Coens auf den Titel "No Country for Old Men" gekommen sind?

ganz einfach, sie haben den titel des buches genommen, das sie adaptiert haben...

"sailing to byzantium"

gargamel's Wertung: Noch nicht bewertet

Zitat gargamel (2009-07-28 22:53:34)
Zitat Dirty Harry (2009-07-28 22:19:51)

Gibts eigentlich irgendwelche Infos, wie die Coens auf den Titel "No Country for Old Men" gekommen sind?

ganz einfach, sie haben den titel des buches genommen, das sie adaptiert haben...

"sailing to byzantium"

:D

El Chupanebrey's Wertung: 6.0 Sterne

Ach mist, da stand ich grad wirklich total auf dem Schlauch. Mann, da hab ich wirklich gar nicht nachgedacht, ist das peinlich. :I

Trotzdem, danke für die Info.

jon's Wertung: 6.0 Sterne

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Zitat jon (2008-11-21 20:06:01)

Carla Jean stirbt für mich ganz ohne Frage, denn hier ist es Chigurhs "Pflicht", sie zu töten. Da gibt es kein wenn und aber.

Hast recht. Im Buch stehts unmissverständlich. Allerdings bekommen wird da auch eine ausgedehnte Erklärung mit, die damit endet, dass sich Carla Jean mehr oder weniger mit ihrem Schicksal abfindet, Ausserdem weigert sie sich nicht, die Münze anzusagen. Sie sagt dafür das Falsche.

Zitat El Chupanebrey

Was genau ist die Bedeutung der Szene, in welcher Chigurh versucht, den Raben abzuschiessen?

Lustig, ich hatte irgendwie das Gefühl, dass die Szene eine Erfindung der Coens war, doch die Szene kommt auch im Buch vor. Ich bleibe bei meiner/imdb-Interpretation. Aber vielleicht könnt ihr ja noch was daraus rausholen:

Zitat No Country for Old Men, Seite 98f.

The headlights picked up some kind of large bird sitting on the aluminium bridgerail up ahead and Chigurh pushed the button to let the window down. Cool air coming in off the lake. he took the pistol from beside the box and cocked and leveled it out the window, resting the barrel on the rearview mirror. The pistol had been fitted with a silencer sweated onto the end of the barrel. The silencer was made out of brass mapp-gas burners fitted into a hairspray can and the whole thing stuffed with fiberglass roofing insulation and painted flat black. He fired just as the bird crouched and spread its wings.
It flared wildly in the lights, very white, turning and lifting away into the darkness. The shot had hit the rail and caromed off into the night and the rail hummed dully in the slipstream and ceased. Chigurh laid the pistol in the seat and put the window back up again.


El Chupanebrey's Wertung: 6.0 Sterne


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