Forum Movies - Reviews: Kino
Beitrag Parlez-moi de la pluie
Parlez-moi de la pluie oder: Sprechen Sie einfach in die Kamera Die Komödien des schauspielernden Drehbuchautorenpaars Angès Jaoui und Jean-Pierre Bacri erinnern seit jeher an Kammerchormusik: technisch betrachtet dreht sich hier alles um inszenierte Mehrstimmigkeit, um Dialogmelodie und um das rhythmisch präzise Setzen von Pointen. Diese sorgsam arrangierte Musikalität des Films gilt es vor allem deshalb hervorzuheben, weil sie ein weit grösseres Plus des Films darstellt als die eher dürftige Handlung. Wie meist bei diesem Autorenduo geht es um kleinbürgerliche Existenzen, die ihren Beitrag zum Pariser Kulturleben für einen Tick wichtiger halten, als dass er es tatsächlich ist - und wie immer werden diese Charaktere leicht karikiert, aber in den Grundzügen durchaus sympathisch dargestellt. Es ist daher auch ziemlich einfach, sich in den bescheidenen Bestrebungen dieser Figuren wieder zu erkennen, und wie in jedem Jaoui-Bacri-Film lacht man in erster Linie über sich selbst (sofern man überhaupt lacht). Geändert hat sich an dieser ganzen Rezeptur nicht viel - schliesslich funktioniert sie ja auch schon seit Jahren. Etwas melancholischer sind die Figuren geworden, und etwas ungläubiger, was ihre eigenen Talente und Tätigkeiten angeht. Vor allem aber sind sie weit weniger motiviert als früher: Der Dok-Regisseur filmt die ausgewählte Protagonistin hauptsächlich, weil sie die Schwester seiner heimlichen Geliebten ist, und weil er mit ihr vor der Kamera endlich wieder einmal einen Film verkaufen kann. Und die Portätierte wiederum begibt sich nur vor dessen Kamera, weil sie aufgrund des abklingenden Interesses an ihrer medialen Präsenz darauf angewiesen ist. Dieser Grundton der Ernüchterung macht sich im ganzen Film breit - er wird allerdings systematisch aufgewogen durch Situationskomik der meist einfacheren Art (diverse Pannen an diversen Drehorten, Nonsens-Geschwätz nach Alkohol- und Haschischkonsum) und durch die zunehmende Bereitschaft von Jaoui und Bacri, nicht nur die Ambitionen ihrer Protagonisten auf die Schippe zu nehmen, sondern auch deren Unvermögen und Unlust am eigenen Treiben als zusätzliches ironisches Moment einzubauen. Dieses ungelenke Nebeneinander von ernsten Themen (Feminismus, soziales Engagement, Verbitterung) und klamaukartigen Auflockerungsmomenten verleiht Parlez-moi de la pluie einen ziemlich zynischen Anstrich - man ist sich mittlerweile schon gar nicht mehr sicher, ob Jaoui und Bacri ihre eigenen Figuren überhaupt noch gern haben. Natürlich tun sie dies - sonst müssten sie einen solchen Film ja gar nicht drehen - aber das ändert leider nichts daran, dass sich in ihr System eine latente Form von Überdruss eingeschlichen hat, den sie nun der Einfachheit halber auf ihre Figuren abschieben. |

