Forum Movies - Reviews: Kino
Beitrag Tulpan
Tulpan oder: Zuhause ist es eben doch am schönsten Manchmal sitzt man in einem Mainstream-Film und wünscht sich ein ausgefalleneres Drehbuch, weniger polierte Schauspieler, nicht immer dieselbe Szenerie und Kameraführung. Wer Tulpan gesehen hat, weiss um die Bedeutung des englischen Sprichwortes "careful what you wish for". Tulpan ist eines der glorreichsten Beispiele dafür, dass independent nicht immer gut heisst. Manche Debutfilme sollten in der Schublade bleiben und erst veröffentlicht werden als Extra auf der DVD des ersten erfolgreichen Filmes. So wie es M. Night Shyamalan getan hat. Tulpan ist eine Komödie, wie sie lahmer nicht sein könnte. Jeder Gag ist vorhersehbar und wird mehrfach wiederholt. Das Mädchen Tulpan ist ein reiner MacGuffin: man bekommt sie nie zu sehen, was dem Film nicht dient. Die Geschichte entwickelt sich nur sehr schleppend. Die am Anfang etablierten Probleme bleiben fast bis zum Schluss bestehen. Es gibt Filme, deren Langsamkeit eine Tugend ist, doch bei diesem hier hat man den Eindruck, Regisseur Sergei Dvortsevoy wollte einfach nur auf Spielfilmlänge kommen. 98 der 100 Minuten des Films sind qualvoll überlang. Es überkommt einen das Gefühl, diese Geschichte wäre besser in einem Kurzfilm zur Geltung gekommen oder gleich als Dokumentarfilm über das Leben kasachischer Steppenbewohner. Ironisch, wenn man bedenkt, dass Dvortsevoy aus dem Bereich der Kurz- und Dokumentarfilme kommt. Vielleicht ist dieser Regisseur einfach noch nicht so weit, sich von seinen Stammgenres freimachen zu können. Leider ist dies nicht das Einzige, was man dem Film vorwerfen muss. Er ist vollständig mit der Handkamera gedreht und das nicht etwa auf spannende Blair Witch Project-Art und Weise oder künstlerisch-herausfordernd wie bei Full Frontal. Diese "Kamera-Nichtführung" wirkt einfach nur sehr amateurhaft. Für jemanden, der mit diesem Werk den Sprung zum Spielfilm schaffen wollte, ist das eindeutig die falsche Wahl gewesen. Auch mit kleinen Budgets kann man angenehme und trotzdem interessante Kamerafahrten machen. Und wer seine Kulisse, die wunderbaren Weiten der Steppe, so armselig schlecht aussehen lässt, verdient eine Rüge. Ähnlich anstrengend und sinnlos ist die Montage. Die meisten Einstellungen sind ungeschnitten und lang, Sprünge zwischen Dialogpartnern werden zum Beispiel mit Hin- und Herreissen der Kamera gemacht. All das könnte man eventuell noch verzeihen, wäre da nicht ein weiterer grundlegender Regiefehler. Da der Film in einer Welt spielt, die den meisten fremd ist, wäre es die Aufgabe des Regisseurs gewesen, die Probleme und Sehnsüchte seiner Figuren (Dvortsevoy hat schliesslich auch das Drehbuch geschrieben), auf einen Nenner zu bringen, den das Publikum versteht und nachspüren kann. Darin versagt der Film spektakulär und lässt einen deshalb den meisten Figuren und ihrer Geschichte gegenüber kalt. |
Ein Film der es krampfhaft versuct, ein westliches Publikum anzusprechen . Dennoch unterhaltsam und teils witzig. |
Ein wunderschöner, poetischer Film in atemberaubender Landschaft. Unspektakulär die Handlung, alltäglich, aber ein Alltag in der Steppe Kasachstans. Die Lebensweise dieser Familie, über 3 Jahre hinweg liebevoll beobachtet, ist uns fremd, und doch ist uns das Grundmenschliche, das die Persönlichkeiten (inklusive Kinder) ausstrahlen so vertraut. [Editiert von rigau am 2009-03-30 15:35:02] |
Unglaublich. Im neuen Kinoprogramm "Box office" vom Schweizer Fernsehen wird er als Film der Woche geführt. Und hier kriegt er gerade mal einen Stern. |
Auch ich muss zugeben, dass dieser Film mehr an einen Dokumentarfilm erinnert, obwohl er als solches wahrscheinlich noch besser rüber gekommen wäre. |

