Forum Movies - Reviews: Kino
Beitrag Krabat
Krabat oder: Aus dem Hundeleben von 12 Rabengesellen Ottfried Preusslers Roman "Krabat" aus dem Jahr 1971 kennt man vielleicht noch aus der eigenen Kindheitslektüre. Die Geschichte, die auf einer alten sorbischen Sage basiert, hat zahlreiche Literaturpreise abgesahnt und birgt neben viel Spannung auch so manchen Gruselschauermoment. Kein Wunder, dass in Zeiten, wo die Bücherregale in Kinderzimmern fleissig nach spannendem potentiellem Filmmaterial durchsucht werden, nun endlich auch in der deutschen Filmlandschaft ein cleverer Zauberschüler den Sprung ins Kino schafft. So zeigt sich alleine schon an Ausstattung und Requisiten, dass man sich bei der Umsetzung von Krabat viel Mühe gegeben hat: Die Atmosphäre bleibt durchwegs düster, dunkle Farben herrschen vor, die Figuren starren nur so vor Dreck, und die abgewrackten Kulissen verleihen dem Ganzen einen rustikal-unheimlichen Grundton, der durch Rituale schwarzer Magie, den gruseligen Meister mit seiner Grabesstimme sowie durch das wiederholte Auftauchen des Gevatter Tod nur noch verstärkt werden. Mit Daniel Brühl und Robert Stadlober hat man sich zudem ein paar bekannte junge Gesichter dazugeholt, die Qualität versprechen. Trotz der aufwändigen Umsetzung birgt der Film aber auch Schwächen: Hauptdarsteller David Kross (Knallhart) kann zwar zu Beginn mit seiner kindlichen Unschuldsmiene durchaus beim Zuschauer punkten, sobald Krabat aber etwas älter wird - beziehungsweise wenn uns sein Älterwerden durch sein plötzlich auftauchendes Oberlippengewächs überdeutlich aufs Auge gedrückt wird - wirkt der junge Held nicht mehr ganz so überzeugend. Am besten sind wohl die Szenen, wo die Gemeinschaft der Gesellen gezeigt wird, oder wo wirklich gezaubert wird, etwa wenn sich die Gesellen in Raben verwandeln. Gerade diese Verwandlung ist wirklich toll umgesetzt worden und deutet zumindest ein bisschen den Zauber an, der dem Rest des Filmes etwas fehlt, ja, den man leider ziemlich verschenkt hat. Es ist eine Sache, ob man die Magie von Anfang an als etwas Schlechtes darstellt (und so kann auch niemand dem Film vorwerfen, er beschönige schwarze Magie). Es ist jedoch etwas völlig anderes, wenn die Zauberlehrlinge ihre Kräfte vor allem dazu verwenden, ihre Stöcke herumfliegen zu lassen und damit plündernde Soldaten in die Flucht zu prügeln. So was Plumpes hat die Geschichte nun wirklich nicht verdient. Fazit: Ein begabtes Waisenkind, eine geheime Zauberschule, der Kampf gegen das Böse - das tönt irgendwie sehr bekannt, und gerade deshalb wäre es schön gewesen, wenn Krabat etwas aus der Menge bisheriger Jugendbuchverfilmungen hätte herausragen können. Trotz der wirklich tollen Buchvorlage hat man hier aber leider nur einen mittelmässigen Film hinbekommen, der zwar eine durchaus gelungene düstere Stimmung bietet, an anderer Stelle jedoch himmeltraurig altbekannte Fantasy-Klischees bedient und beim Abspann auch noch mit einem fulminant grässlichen Soundtrack das Kinopublikum aus dem Saal jagt. Für Inszenierung und Atmosphäre gibt's immerhin 3½ Sternchen. |
Hm, freue mich trotzdem noch riesig auf den Film, denn die Buchvorlage ist meiner Meinung nach absolut spitze. Schade, dass man den um 3 Jahre älter werdenden Krabat nicht gut hingekriegt hat - wahrscheinlich wäre weniger mehr gewesen. Verspreche aber mir trotzdem immer noch viel von Kross in der Titelrolle, Brühl als Tonda und vor allem Reidl als Meister. Habe heute übrigens eine miese Kritik in der Kommerz-zeitschrift CINEMA gelesen mit dem blöden Hauptargument, der Film sei zu düster für Kinder (meiner Meinung nach ist das Buch schon ziemlich düster angelegt). |
ich habe bisher nur kritiken gelesen, die nicht besonders vorteilhaft waren. |
Willst du mir wirklich die Freude verderben, pb? |
Oh mein Lieblingskinderbuch wird verfilmt? Hübsch! |
Zitat psg (2008-09-22 19:31:26)
Das Älterwerden funktioniert schon alleine deshalb nicht, weil es viel zu plötzlich passiert - im einen Moment ist er noch "jung und unschuldig", im nächsten hat er längere Haare und einen Schnauz (ich dachte ja erst, das sei nur Dreck auf seiner Oberlippe, so unerwartet kam das). Klar ist es auf der Erzählebene erklärt und auch wichtig, aber das hätte man doch bitte auch ein bisschen weniger plump inszenieren können. Und wer dem Film vorwirft, zu düster zu sein, kennt das Buch einfach nicht, basta. Ich hab das Buch absolut geliebt, wir haben es in der 5. Primar vorgelesen bekommen und danach hab ich es bestimmt noch 4 oder 5x gelesen, das letzte Mal vor ca. 3 Jahren. Einfach toll. Aber ich bezweifle ja, dass man mit dem Film auch wirklich die Altersgruppe ansprechen will, die sich am Düstern stören könnten. |
Zitat psg (2008-09-22 19:40:02)
nein, aber ich bin bei deutschen "kassenerfolgsverfilmungen" immer sehr skeptisch. |
Der Film ist sehr durchschnittlich geworden. Von den gross angekündigten und scheinbar recht teuren Spezialeffekten sieht man kaum etwas und der Film kommt nie so richt aus den Startlöchern. Dazu kommen peinlich animierte und von Hand ins Bild eingefügte Raben am Anfang und auch nochmals in der Mitte des Films. Das ist sowas von nervig, das fällt sogar mir auf.... Die Darsteller sind okay. Daniel Brühl, das bekannteste Gesicht der Gesellen, macht seine Sache gut. Auch Robert Stadlober hat Potenzial in seiner Rolle, darf die aber nicht richtig ausleben. Hauptdarsteller David Kross ist als "junger" Krabat sehr passend. Spätestens aber wenn der Zuhälterschnauz und das Rossschwänzchen dazukommen, verkommt seine Figur zum Pausenclown. Sehr schade, denn der Junge scheint wirklich was drauf zu haben. Anyway, der Film kann nicht halten, was die Leserschaft des Buches wohl erwartet. Ich selber kenne das Buch nicht, aber der Film an sich ist nicht der "grosse deutsche Fantasyfilm" geworden, als der er angekündigt wurde. Irgendwie schade. |
Solider Fantasystreifen, welcher zwischendurch eine durchaus eine düstere Atmosphäre hinkriegt und auch in den Schauspieler überzeugt. Leider ist der Film zu lange geraten, dümpelt recht dahin und lässt auch ein Finale vermissen, mit dem der letzte Akt eine Spannung hätte erzeugen können. Wer ausserdem die anscheinend sehr bekannte Geschichte nicht kennt, wird im Regen stehen gelassen, denn bis auf die Rahmengeschichte wird überhaupt nichts erklärt und man muss sich vieles selber zusammenreihmen. Deshalb kommt es auch zu vielen mystischem und geheimnissvollen Dialogen, welche aber uneingeweihten nicht viel aussagen. Unter dem Strich sicher eine solide Produktion, doch die grosse Überraschung blieb bei mir jedenfalls aus. |
Zitat pps (2008-09-22 16:41:00)
meine güte, hab mich schiefgelacht wegen der aussage zur abspann-musik... tönt so ziemlich bös nach "schlümpfe im fantasyland" |
Ja, die Musik ist etwas überkandidelt. Spoiler zum Lesen Text markieren
[Editiert von El Chupanebrey am 2008-12-26 19:43:11] |
Da mir die Romanvorlage und die Figuren von "Krabat" ziemlich gut bekannt sind, war ich doppelt gespannt auf Marco Kreuzpainters filmische Umsetzung. Das Resultat hat mich leider enttäuscht. Statt sich an die schön aufgebaute Geschichte von Preussler zu halten, wurde unsorgfältig mit einem Drehbuch reingepfuscht, das weder Fisch noch Vogel ist. Vielleicht liegt das auch an der Idee, einen Erzähler einzubauen, der dem Zuschauer entweder das erzählt, was er gerade sieht, oder das, was er gerne sehen würde. Jedoch ist es die lausige Einführung der Figuren, die mich am meisten gestört hat. Beispielsweise wird der Anfang mit dem Traum von der Mühle und Krabats Leben als Betteljunge in so wenigen Bildern gezeigt, dass man keine Chance hat, sich mit der Titelfigur vertraut zu machen. Ein schöner Erstauftritt hat höchstens der Meister, der mit Christian Reidl sehr gut besetzt wurde. Überhaupt ist eine talentierte Besetzung am Werk, und umso mehr schmerzt es Szenen zu sehen, bei denen die Regie offenbar gepennt hat. Da wäre zum Beispiel die Festszene, die furchtbar plump scheint, oder Krabats erste Einführung in die Magie, die man gar nicht wirklich mitbekommt. Die Location hingegen ist wiederum hervorragend gewählt. Bei der Ausstattung hat man sich offenbar grosse Mühe gegeben, sie ist für einen deutschen Film aussergewöhnlich gut. Hut ab! Schade nur, dass die Kamera teilweise völlig unpassend in der Gegend herum wackelt. David Kross überzeugt mit seiner Interpretation eines zu Beginn eher stummen Krabats, wobei ihm später aber durch einen - und das kann man nicht anders sagen - saublöden Schnauzer die Glaubwürdigkeit geraubt wird. Die Special Effects waren eigentlich ganz okay, könnte man sagen, wären da nicht die (von muri erwähnten) CGI-Raben oder die Geister von Krabat und Tonda. Es ist eine merkwürdige Sache geworden, dieser "Krabat". Sicherer wäre es wohl gewesen, den wichtigsten Themen des Buches, wie der Liebe und der Versuchung, einen grösseren Fokus zu geben und auf einen absolut linearen Storyaufbau zu vertrauen. Tondas Geschichte mit Worschula hatte meiner Meinung nach zu viel Gewicht, wobei das Verhältnis Meister-Krabat grausam vernachlässigt wurde. Auch auffallend ist das Fehlen jeglichen Humors, der im Buch eine viel grössere Rolle spielt. Und ich mag es ganz und gar nicht, wenn sich Filme zu ernst nehmen. Schade, denn mit einem guten Drehbuch und einem anständigen Schnitt hätte man mich wohl leicht für den filmischen Krabat begeistern können. Stattdessen ist es für mich ein durchschnittlicher Film geworden und das ist bei einer solchen Vorlage einfach ungenügend. |
Also mir hat der Film wirklich gut gefallen. Die Spannung zog sich über fast zwei Stunden hin und die Schauspieler sind ja wirklich klasse! Besonders Daniel Brühl spielt meiner Meinung mehr als überzeugend.Auch das Set ist liebevoll gemacht.und die verwandlungszenen sind wirklich toll. Spoiler zum Lesen Text markieren
[Editiert von eowyn44 am 2008-11-14 13:22:41] |

