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My Blueberry Nights oder: Grosse Gefühle à la mode du chef


Man kann von Kar-Wai Wong halten, was man will, eines muss man ihm immer zugute halten: Der Mann hat einen Stil entwickelt, der unverkennbar ist, eine eigene Handschrift, die auch noch deutlich hervorsticht, wenn er - wie im vorliegenden Film - sein opulentes Menu erstmals auf der anderen Seite des Pazifiks und statt in Chinesisch in Englisch anrichtet. Der Vergleich mit einem Menu scheint tatsächlich recht passend, denn wie sich ein Meisterkoch der Gewürze, bedient sich Wong der filmischen Mittel, der Farben, der Musik, der Schauspieler und richtet alles opulent und hochbekömmlich an.

Wie schon in In the Mood for Love und 2046 baden auch in My Blueberry Nights schöne Menschen ausgiebig in prächtigen Bildern, stimmungsvoller Musik und grossen Gefühlen, so tief wie der Ozean. Auch Wongs Spezialität, die stummen Bilder, die in einer Art Zeitlupe vorüberziehen, findet in mehreren Sequenzen Anwendung. Wohl selten hat das stark in jeder zweiten Kinokritik verwendete und deshalb stark abgegriffene Adjektiv "poetisch" so gut auf eine Filmsprache zugetroffen wie auf diejenige von Kar-Wai Wong.

Und trotzdem ist in My Blueberry Nights nicht alles grossartig. Ab Filmmitte stellt sich zuweilen schicke Langeweile ein, den Zuschauer beschleicht das dumpfe Gefühl, hinter der glänzenden Oberfläche verberge sich nichts als gähnende Leere. Vor allem ab dem Moment, als Nathalie Portman die Bildfläche betritt, droht der Film inhaltlich zum banalen Gefühlskino auf dem Niveau einer Fernsehserie abzudriften. Auch wenn natürlich um Welten eleganter inszeniert als im Fernsehen.

Die rehäugige Norah Jones bewältigt ihr Schauspieldebut souverän - man merkt keinen erheblichen Unterschied zu ihren etablierten Schauspielerkollegen um Jude Law, Nathalie Portman oder Rachel Weisz. Gleichzeitig ist sie aber auch in ihrem Kerngeschäft aktiv, ertönt doch im gepflegten Soundtrack mehr als nur einer ihrer Songs. Ganz böse Zungen könnten vielleicht behaupten, My Blueberry Nights sei nichts mehr als ein meisterhaft produziertes Norah-Jones-Musikvideo. Übrigens: Aufmerksame Zuschauer erkennen neben Jones noch einen weiteren Gastauftritt einer etablierten Sängerin: Cat Power gibt sich in einer kurzen Szene die Ehre.

Die Bilder der DVD sind Kar-Wai-Wong-würdig, die in rötlicher Farbe getunkten Szenen flimmern in all ihrer Pracht über die Leinwand. Auch der super-ultrastimmungsvolle jazzy Soundtrack erklingt in makelloser Qualität. Die Extras hingegen sind enttäuschend: Der Regisseur schwitzt sich am Strand von Cannes durch ein paar Standardantworten, Norah Jones und Jude Law tun es ihm gleich. Ein Making-of, in dem die Schauspieler ihre Charaktere erklären, offeriert keine neuen Erkenntnisse - schliesslich haben wir ja den Film gesehen und sind nicht völlig vom Stuhl gefallen... Komplettiert werden die Extras durch die üblichen Trailer. So weit, so langweilig also. Man erfreue sich daher lieber noch etwas den schönen Songs.

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ebe's Wertung: 4.5 Sterne


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