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Beitrag Destiny - al-Massir
Destiny - al-Massir oder: Bollywood auf Arabisch Der äusserst engagierte Regisseur Youssef Chahine war seit 1950 in der Filmbranche tätig und hat im Verlauf seiner Lebenszeit über vierzig Filme gedreht. Kurz vor seinem Lebensende wurde er mit einer Hirnblutung ins Spital eingeliefert, wo er dann am 27. Juli 2008 verstarb. Grund genug, nochmals sein Lebenswerk zu betrachten, und gerade deshalb wurde Destiny spontan ins Programm von Locarno 2008 aufgenommen. Der Film beginnt ohne Erklärung im düsteren Mittelalter, wo die Inquisition an der Macht ist und ohne weiteres einen Ketzer nach dem anderen auf dem Scheiterhaufen verbrennen kann. Das löst auch die Flucht von Youssef aus, und nach rund fünf Minuten Spielzeit sind wir - wiederum ohne Erklärung - mitten in der arabischen Welt. Hier trifft Youssef nicht nur viele neue Menschen, sondern auch eine völlig neue Kultur und muss sich darin zurechtfinden. Was eigentlich sehr interessant klingt, entpuppt sich leider als herbe Enttäuschung, denn die Umsetzung ist qualitativ unter jedem TV-Niveau, der Zuschauer kommt kaum in die Geschichte hinein und einen geschichtlichen Rückblick sucht man vergebens. Von den vielen Personen werden nur wenige wirklich vorgestellt und da die eigentliche Handlung noch sehr verworren erzählt wird, hat man kaum eine Möglichkeit, alle Fäden zusammen zu halten. Obwohl die eigentliche Produktion klar von einem kleinen Budget zeugt oder einfach schlecht umgesetzt wurde, sind die dabei zum Einsatz kommenden Drehorte sehr gut gewählt: Mittelalterliche Burgen, reich verzierte Paläste und arme, aber sehr lebensfrohe Städte geben dem Film ein sehr episches Feeling, das auch auf das Potential hindeutet, welches in der Geschichte stecken würde. Die einzelnen Schauspieler verkörpern ihre Rollen sehr passend und glaubwürdig, doch man wird leider kaum mitgerissen, da der Film eine enorme Überlänge hat und sich während der Laufzeit mehrmals im Kreis dreht. Da hilft es auch nicht, wenn im Bollywood-Stil in regelmässigen Abständen der Singvirus unter den Charakteren ausbricht und für mehrere Minuten munter getanzt und gesungen wird. Obwohl dabei die Lieder durchaus mitreissend sind, sind die Singszenen so schlecht und unsynchron gedreht, dass sie mehr lächerlich und nervig sind als etwas Anderes. Fazit: Destiny erzählt eine wohl ursprünglich interessante Geschichte in einer äusserst schlechten Lowbudget-Produktion und macht es dem Zuschauer sehr schwer, überhaupt in die Handlung zu kommen. Zu viele beteiligte Figuren, zu verworren erzählte Handlung und eine viel zu lange Spielzeit sprechen gegen den Film und drücken auch stark auf den Filmgenuss. Dennoch, wer einmal die inzwischen zum Standardbadguy degradierten Araber von einer ganz anderen Seite sehen will, bei der auch die Lebensfreude sehr stark betont wird, der kann hier durchaus hineinschauen, ansonsten würde ich den Film weniger empfehlen. |

