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Beitrag The Bothersome Man - Den Brysomme mannen

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The Bothersome Man - Den Brysomme mannen oder: Da bringt selbst Viagra nicht mehr Gefühle...


Jens Lien aus Norwegen war mit seinem The Bothersome Man der grosse Abräumer am NIFFF 2006 und gewann den von H.R. Giger designten Hauptpreis, die "Narcisse". Jetzt ist der Film auf DVD zu haben und liegt zum Test vor. Der Film entpuppt sich als eine Kreuzung von aufgezwungener Alltagsroutine von THX 1138 und dem Mysterium von Dark City. Obwohl er sehr schön gefilmt ist, kann er unter dem Strich, je nach Filmgeschmack, nur bedingt überzeugen.

Bei The Bothersome Man ist bereits von Anfang an klar, dass der Film in die Gruppe Film gehört, die jeweils an Festivals Preise gewinnen. Denn der Film ist klar kein Mainstream, arbeitet kaum mit Soundtrack und regt den Zuschauer enorm zum Mitzudenken an. Wie auch die Hauptfigur Andreas hat der Zuschauer keine Ahnung, worum es geht oder weshalb er in der merkwürdigen Stadt ist. Am Anfang ist dann auch alles normal - Andreas hat seine Wohnung, einen langweiligen Job und angelt sich bald eine Frau. Soweit nichts Besonderes, doch schon bald wirft das idyllische Stadtleben erste Fragen auf: Warum sind alle so oberflächlich freundlich, warum interessiert sich niemand dafür, dass da jemand aufgespiesst im Metallzaun hängt, oder was sind das für graue Männer, die viel zu oft auftauchen? Da ist es nur verständlich, dass Andreas langsam Verdacht schöpft und zu extremen Mitteln greift, um dieser völlig banalen Lethargie zu entkommen und wieder etwas zu fühlen.

Diese Unwissenheit, dieses verzweifelte Lechzen nach irgendwelchen Informationen, was hier gespielt wird, wird zum grössten Spannungsmittel von The Bothersome Man, und man folgt gebannt jeder Szene, um ja nichts zu verpassen. Da hier offensichtlich etwas nicht stimmt, fragt man sich, was hinter dieser anscheinend glücklichen Welt liegt, in der man drei mal von einer U-Bahn überrollt werden kann, das Essen nach nichts schmeckt oder abgetrennte Finger wieder nahtlos angesetzt werden. Mit diesem Hinterfragen der Realität seitens der Zuschauer und auch der Charakteren haben schon Filme wie THX 1138, Dark City oder auch Matrix sehr erfolgreich gearbeitet. Wer sich jedoch eine ähnlich interessante Auflösung von The Bothersome Man erhofft, der wird enttäuscht sein. Jens Lien liefert keine Antworten und macht es sich sehr einfach damit, Andreas in der täglichen Routine im Kreis zu drehen, viele Fragen aufzuwerfen und dann einen sehr offenen Schluss abzuliefern. Dies sorgt jedenfalls dafür, dass man noch lange über den Film nachstudiert, lässt den Zuschauer aber auch ernüchtert, wenn nicht sogar enttäuscht zurück.

Fazit: Mit The Bothersome Man hat Autor/Regisseur Jens Lien einen äusserst nachdenklichen Film abgeliefert, der die perfekte und glückliche Welt ins Absurde treibt und damit zum Nachdenken anregt. Vor allem mit den guten Schauspielern und der passenden Kameraführung kann er absolut überzeugen und einen äusserst tristen und melancholischen Film abliefern, der sich auch etwas schwarzen Humor nicht verkneifen kann. Dennoch, während Filme wie Dark City oder auch Matrix letztendlich zu einer spannenden Auflösung führten, lässt The Bothersome Man den Zuschauer gnadenlos hängen und entlässt ihn mit vielen Fragen und Eindrücken aus einer scheinbar perfekten, aber doch todtraurigen Welt. Sicher ein Film, der bei Freunden von Studiofilmen sehr gut ankommen wird.

Die DVD bietet den Film in einer recht dürftigen Bildqualität, die besonders bei grossen Screens äussert negativ auffällt, da man so alle Unschärfen und den Schnee deutlich sehen kann. Der Ton ist solide, aber sehr centerlastig und recht dumpf geraten. Das Bonusmaterial setzt sich aus einigen Deletet Scenes Bildern und Trailern zusammen. Ein 20-minütiges Making Of gibt Einblicke in Liens Gedanken hinter dem Film.

» Die komplette DVD-Kritik lesen

db's Wertung: 4.5 Sterne

Absolut genialer Film. Dass keine Erklärungen bzgl. davor und danach kommen, ist ebenso genial. Jeder Erklärungsversuch hätte den Film abgewertet. Das Ende hinterlässt einen nur vielleicht und nur anfangs mit einem enttäuschten Gefühl. Der Film portratiert einen extrem in sich isolierten Mikrokosmos der Problemlosigkeit. Der 'bothersome' Mann steigt am Anfang der Geschichte aus einem Bus, was einer Geburt gleichkommt: er weiss nicht, was davor gewesen ist, er erinnert sich an nichts, alles ist für ihn so neu wie für uns Zuschauer. Das ist auch teilweise der Sinn der Sache: eine Welt ohne Schmerz, ohne Enttäuschungen, ohne Probleme, und ohne Erinnerungen. Die totale Wohltat. Doch der Weg dahin ist unbekannt.

Der Film lebt auch ganz klar von den philosophischen Aspekten: wenn alle ihre Probleme nicht annehmen, tun sies auch bei den anderen nicht. Fühlen sich stattdessen gestört, denn Probleme 'gibt es keine'. Wer das anderst sieht, dem begegnet man mit Unwohlsein, wie einem Leprakranken, dem man nicht zu nahe kommen darf. Ein Vergleich zu MATRIX und gar DARK CITY ist meines Erachtens völlig daneben. Das sind düstere Scifi-Movies mit ein wenig Philosophie. BOTHERSOME MAN ist nicht düster in der Optik, aber in der Thematik. Der Film lehnt sich eher an Werke an wie BRAVE NEW WORLD.

Switchbox's Wertung: 6.0 Sterne


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