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Beitrag The Other Boleyn Girl

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The Other Boleyn Girl oder: Rudelknudel am Königshof


Als The Other Boleyn Girl angekündigt wurde, stand die Blog- und Newswelt Kopf: Endlich wurden die beiden äusserst beliebten Schauspielerinnen Natalie Portman und Scarlett Johansson in einem Film vereint, was natürlich die Erwartungen entsprechend hoch schraubte. Dass dabei der Roman "Other Boleyn Girl" von der britischen Autorin Philippa Gregory als Vorlage diente, interessierte vorerst wenig. Das gebotene Schauspiel konnte dann auch erwartungsgemäss überzeugen, doch damit hören die Lobpreisungen leider auf, denn The Other Boleyn Girl ist primär eine Enttäuschung.

Der Film beginnt wie oft sehr verträumt. Alle Beteiligten sind in ihrer heilen Welt, Mary und Anne ein Herz und eine Seele, und die Familie hat keine grösseren Probleme. Schon bald sind einem die beiden Mädels sympathisch, und man amüsiert sich darüber, wie Mary unschuldig und scheu von ihrer Hochzeitsnacht erzählt. Doch dann kommt der Ruf vom Königshof, und schon beginnt sich das Rad der Intrigen und der Pläne zu drehen. Aufgaben werden verteilt, langsam wird die heile Welt Stück für Stück demontiert, und die beiden Mädels werden kurzerhand dem Fleischwolf des Königshofs vorgeworfen. Deutlich wird aufgezeigt, wie die Mädchen zu Spielfiguren der Männer werden und wie sie von ihrer Situation hoffnungslos überfordert sind. Dabei stellt Natalie Portman sehr eindrücklich die Entschlossenheit und später die Verzweiflung ihrer Rolle dar. Scarlett Johansson hingegen wirkt mit ihrer naiven, herzensguten Unschuld doch recht farblos, und Eric Bana bietet kaum mehr als routinierte Anwesenheit.

Ein Film setzt sich aber nicht nur aus guten Schauspielern, guten Drehorten und einem passenden Soundtrack zusammen - es gehört auch eine packende Geschichte dazu, damit man mitfiebert und sich dafür interessiert. Bei diesem Punkt geht The Other Boleyn Girl jedoch baden. Obwohl man(n) den Hauptdarstellerinnen gerne zusieht, wird die berechnete Rammlerei mit dem König schon nach kurzer Zeit öde. Wer etwas mitdenkt, kann sich bereits nach kurzer Zeit den Verlauf der Geschichte zurrecht legen, auch wenn er die Vorlage nicht kennt. Vieles, was noch zusätzliche emotionale Tiefe hineingebracht hätte, wird knapp gestreift, nur damit es erwähnt wurde. So werden wichtige Handlungselemente, wie die Beseitigung der Queen, Annes Aufenthalt in Frankreich, die Abtrennung von Rom und die Aufstände der Untertanen kurzerhand ausgeblendet und nur nebenbei erwähnt. Wegen dieses Röhrenblicks zerfällt auch die ursprünglich völlig integre Familie äusserst nebensächlich. Letztendlich dümpelt die Handlung mehr und mehr überraschungslos dahin, und obwohl die Inszenierung mit den Kostümen und den Drehorten eigentlich sehr gut wäre, verliert man das Interesse und sitzt nur noch die Zeit ab, um die schon lange erwartete Auflösung zu sehen.

Fazit: Die Geschichte, welche sozusagen das Prequel zu Elizabeth bildet, lässt leider sehr enttäuscht zurück. Zu unspektakulär und berechenbar ist die Story. Trotz der guten Schauspieler will die abgekartete Verführung des Königs kaum mitreissen und kann über die ganze Laufzeit nicht einmal überraschen. Wäre die Handlung nicht so stur auf die Mädels fokussiert, und hätte sich Regisseur Justin Chadwick etwas mehr von seiner minimalistischen TV-Arbeitsweise gelöst, dann hätte viel mehr aus The Other Boleyn Girl herausgeholt werden können. Wer jedoch gerne Filme aus dieser Epoche hat und einmal Natalie Portman und Scarlett Johansson zusammen in einem Film sehen will, der kann getrost zugreifen, andere werden von dieser überraschungslosen TV-Doppelfolge recht gelangweilt sein.

Die DVD liefert den Film in einer sehr sauberen und guten Bildqualität, die selbst auf grossen Screens noch scharf aussieht. Der Ton kommt sehr klar daher, ist aber sehr centerlastig, wobei hier auch nicht mehr verlangt wird. Extras finden sich leider keine.

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db's Wertung: 3 Sterne


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