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Beitrag Funny Games

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Funny Games oder: Tödliche Spiele, kaputte Eier und blutige Schläger.


Gewalt ist ein Element, welches immer wieder zu Diskussionen anregt, und in Deutschland ist es inzwischen schon zum Volkssport geworden, Filme mit Gewaltinhalt zu verbieten. Wie angebracht das ist, ist natürlich Ansichtssache. Regisseur Michael Haneke wollte im Jahre 1997 seinen ganz eigenen Kommentar zur ewigen Gewaltberieselung im Kino, zu Hause und im Fernseher abgeben, und daraus entstand dann Funny Games - ein Film, der je nach Betrachter als Medienkritik angeschaut werden kann, aber auch als Horrorfilm oder Psychothriller.

Rein vom Plot her ist Funny Games natürlich als klassischer Horrorfilm einzuordnen, denn wo sonst erhält man die Story, in der eine Familie in die Ferien fährt und dort von zwei Unbekannten terrorisiert und gefoltert wird? Gegen alle Erwartungen ist Funny Games jedoch bei weitem keine Gewaltorgie geworden, denn Regisseur Michael Haneke hat den Film ganz eigenwillig und extra anders inszeniert, als man es erwarten würde. So geschehen die Gewaltszenen meistens Off-Kamera, dafür wird um so mehr auf das Leiden der eigentlichen Opfer fokussiert, und teilweise gibt es über 10-Minuten lange Szenen, die dies ohne Schnitt dokumentieren. Über die Spieldauer wendet sich auch Paul - einer der Killer - direkt ans Publikum und zieht dieses sozusagen als Anstifter in die Handlung ein, denn schliesslich wollen die Zuschauer ja sehen, wie die Familie zerstört wird, und macht sie so auch dafür verantwortlich. Einige erfrischend unverbrauchte Storytwists machen den Film zusätzlich interessant und heben ihn aus der Menge heraus. Über die ganze Laufzeit will diese motivlose Gewaltstudie aber doch nicht überzeugen, denn trotz vielen Geredes wird keine wirkliche Aussage gemacht.

Funny Games ist klar keine der üblichen 08/15-Produktionen und kann mit den beiden permanent freundlichen Killern Arno Frisch alias Paul und Frank Giering alias Peter und mit den sehr gut ausgewählten Darstellern der Familie durchaus überzeugen. Obwohl dies sehr positiv klingt, über die ganze Laufzeit von 108 Minuten wirkt Funny Games mit seinem aufgedrückten Arthaus-Stil doch recht langweilig. Da hilft es auch nicht, wenn trotz der speziellen Inszenierung alle bekannten Horrorklischees abgefackelt werden und vom gestohlenen Handy bis hin zum Anhalten des falschen Autos während der Flucht alles vertreten ist.

Fazit: Obwohl Funny Games auf einem äusserst simplen Plot basiert, hat Regisseur Michael Haneke klar etwas Spezielles abgeliefert. Viele versteckte Botschaften und absolut überzeugende Darsteller geben Funny Games eine gewisse Qualität, die ihn auch dank einiger recht unerwarteter Handlungswendungen erfrischend unverbraucht macht. Dennoch, so gute Ansätze der Film auch bietet, er hat eine deutliche Überlänge, und sehr oft geht durch die träge Kameraführung und den fehlenden Soundtrack jede Spannung verloren. Letztendlich ist er sicher einen Blick wert, doch der Hammerfilm ist es nicht wirklich geworden. Anscheinend hat er jedoch die Amerikaner überzeugt, denn erst vor kurzem ist das Remake Funny Games U.S. mit Naomi Watts in den Kinos angelaufen.

Die DVD berauscht allerdings überhaupt nicht in der Qualität. Das Bild ist grottig und hat nicht nur Schnee sondern ist auch unscharf. Der Ton ist sehr centerlastig und arbeitet kaum mit dem Surround. Das Bonusmaterial enthält einen Trailer, ein paar Zeitungsschnipsel und ein Interview mit dem Regisseur in französischer Sprache. Recht enttäuschend.

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db's Wertung: 4 Sterne


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