Forum Movies - Reviews: Kino
Beitrag Sanguepazzo
Sanguepazzo oder: Sex, Drugs and Fascism Das mit richtig grosser Kelle angerührte Historiendrama von Marco Tulio Giordano spielt - einmal mehr! - zur Zeit des Zweiten Weltkrieges, so dass man sich unweigerlich fragt, wann wohl endlich der Tag kommt, an dem der ultimativ allerletzte Zweitweltkriegsfilm gedreht wird. Für einmal ist freilich nicht Nazi-Deutschland, sondern Mussolini-Italien Schauplatz einer Geschichte, die man meint, irgendwie auch schon mal gesehen zu haben. Eine Geschichte zweier Menschen, die sich aus Unverantwortlichkeit, Leichtsinnigkeit und Bequemlichkeit mit dem Bösen, hier dem Faschismus, arrangieren und später dafür unerbittlich zur Verantwortung gezogen werden. Leider ist der opulente Film bis zur Unverständlichkeit in Rückblenden aus verschiedenen Zeiten zerschnipselt. Ob er damit wohl einen künstlichen intellektuellen Tiefgang erreichen will, der ihm sonst abgehen würde? Möglich. Denn irgendwie mutet Sanguepazzo trotz ernster und anspruchsvoller Thematik ein bisschen an wie ein mit viel Puste aufgeblasener Historienschinken der einfacher gestrickten Sorte. Wie in Zweitweltkriegsfilmen so üblich, gibt's zwar auch hier einige Gräueltaten zu sehen, um die Unmenschlichkeit des Faschismus zu illustrieren. Doch seltsamerweise wirken sogar diese Szenen wie auf Hochglanz poliert, so dass sich niemand an seinem Popcorn verschlucken muss. Das Popcorn bleibt dann schon eher im Halse stecken, wenn die Hauptdarstellerin, Männertraum Monica Bellucci, die Hüllen fallen lässt. Das tut sie durchaus ein bisschen mehr als zwingend nötig. Alt zu werden scheint sie ebenfalls nicht - immerhin hat sie auch schon 43 Jahre auf dem Buckel, was sie aber nicht daran hindert, die anfangs knapp über 20-jährige Luisa Ferida zu verkörpern. Respekt - da ist auch nicht weiter schlimm, dass ihre Glanzleistung in diesem Film primär aus schön Aussehen besteht. Ihr Partner Luca Zingarelli wiederum gibt zwar einen überzeugend leichtsinnigen, aber (gerade deswegen?) konstant nervigen Osvaldo Valenti. Valenti und Ferida haben übrigens tatsächlich existiert, der Film ist also "based on true events". Doch aufgrund dessen schwerfälliger Erzählweise fällt es dem Zuschauer schwer, auch nur ein Mindestmass an Empathie für die beiden zu empfinden. Ja, man schämt sich fast ein wenig, nach zweieinhalb Stunden und einem hochdramatischen Ende erleichtert zu sein, dass der Film endlich aus ist. |

