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Beitrag Vicky Cristina Barcelona

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Vicky Cristina Barcelona oder: Liebesgrüsse aus Spanien


Mit seinem neuesten Film, für den er vom Londoner Regen ins wärmere und sonnigere Spanien disloziert ist, rückt Woody Allen seinem Quasi-Neo-Landsmann Pedro Almodóvar gehörig auf die Pelle. Nicht nur, dass er ihm die Muse Penélope Cruz ausgespannt hat. Nein, er macht ihm auch gleich noch den Ruf als bester Frauenversteher im Filmbusiness streitig. Denn Vicky Cristina Barcelona erzählt dermassen leicht und erfrischend von weiblichen Liebesirrwegen, dass man versucht ist, der spanischen Sonne eine besondere Erleuchtungskraft für die Mysterien der weiblichen Psyche zuzuschreiben.

Bei den Namen Scarlett Johansson und Penélope Cruz dürfte aber auch den Herren der Schöpfung das Wasser im Munde zusammenlaufen. Insbesondere, als sich die beiden auch im Verlauf des Films körperlich recht nahe kommen. Allerdings bleibt Johansson diesmal schauspielerisch eher blass. Egal, gut aussehen tut sie natürlich trotzdem. Penélope Cruz ihrerseits geniesst sichtlich die ihr auf den schönen Leib geschriebene Rolle als temparamentvolle, aber psychisch labile Maria Elena. Ihr erster Auftritt erfolgt spät - dafür hat sie dann die grössten Lacher des Films auf ihrer Seite.

Doch in den Schatten gestellt werden die beiden Stars von ihrer Co-Hauptdarstellerin Rebecca Hall. Ihre Darstellung der bodenständigen Vicky, deren Weltanschauung mit ein paar spanischen Gitarrenklängen plötzlich ins Wanken gerät, ist absolut hinreissend. Sie ist die eigentliche Entdeckung des Filmes. Auf der männlichen Seite des Casts darf Javier Bardem nach dem irren Killerblick in No Country for old Men nun seinen Schlafzimmerblick zur Perfektion trimmen. Und das tut er mit gewohnt unwiderstehlicher Klasse.

Vicky Cristina Barcelona ist gut. Erstaunlich gut, wenn man bedenkt, dass die Geschichte am Anfang etwas mühsam in die Gänge kommt. Der Film mag nicht an Allens grösste Werke herankommen. Dazu fehlt trotz südländischer Legèreness ein Schuss Spritzigkeit. Angesichts der lockeren Ferienflirt-Stimmung, die der Film verbreitet, ist dies aber verzeihlich. Und wer weiss, vielleicht dreht Allen seinen nächsten Film ja in der Schweiz. Statt Vicky Christina Barcelona hiesse er dann "S'Heidi und s'Vreni in Bümpliz". Wir sind gespannt.

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ebe's Wertung: 4.5 Sterne

Penélope forever! Grandioses Schauspiel! Und auch sonst: Das ist nicht nur ein äusserst unterhaltender Frauenfilm sondern wohl auch eine ganz nette Männerphantasie... Oder will mich jemand widerlegen??

ema's Wertung: 5.0 Sterne

Zitat ema (2008-11-20 16:55:23)

Penélope forever! Grandioses Schauspiel! Und auch sonst: Das ist nicht nur ein äusserst unterhaltender Frauenfilm sondern wohl auch eine ganz nette Männerphantasie... Oder will mich jemand widerlegen??

Nö...;)

ebe's Wertung: 5.0 Sterne

Da hat mich der gute Woody wieder einmal prächtig unterhalten.
Der Erzähler, die Drei- (bzw. Vier-)ecksgeschichte, das immer wiederkehrende Lied "Barcelona" - Vicky Cristina Barcelona ist ohne Frage ein köstliches Vergnügen!

Pénelope Cruz ist so gut wie noch nie (und sollte unbedingt ihren Oscar kriegen), aber auch Javier Bardem, Scarlett Johansson und das neue Gesicht Rebecca Hall sind mit sehr viel Leidenschaft bei der Arbeit, was wir wohl unserem lieben Allen zu verdanken haben.

Das Drehbuch ist sehr schön konstruiert und am meisten Drive bekommt der Film in den Szenen mit Bardem, Johansson und Cruz ("Speak English!"), bei denen man nicht nur (über so viele schöne Menschen) staunen, sondern auch herzhaft lachen kann.

Einen kleinen Abzug gibt es für die Geschichte von Rebecca Halls Figur gegen Schluss, wo für mich einige Szenen ein bisschen zu lange geraten sind.

Sonst ist Allens neuster Streich aber extrem empfehlenswert: Vicky Cristina Barcelona ist ein leidenschaftlicher und höchst amüsanter Film, der im Dezember für warme Sommergefühle sorgt.

psg's Wertung: 5.0 Sterne

Vicky Cristina Barcelona

Forget Paris!

Es regt sich etwas im Land der Kinofans. Woody Allen, Regisseur aus Leidenschaft, hat wieder einen Streifen gedreht und diesmal ist es kein reines Drama wie Cassandra's Dream oder Match Point, sondern eine hintergründige, lakonisch-frivole Mischung aus Romanze, Drama und Komödie. Natürlich spielt Allens neuste Muse Scarlett Johansson wieder mit und der Zuschauer wird wieder in eine bezaubernde Stadt versetzt - Barcelona diesmal. Alles wie immer? Oder: Neue Stadt, neues Glück?

Woody Allen ist nicht zuletzt wegen seinen Drehbüchern beliebt. Seine Skripts sind witzig, haben aber dennoch dramtische Stellen und enden in der Regel für die Protagonisten ziemlich fies. So auch bei Vicky Cristina Barcelona, ein Film, welcher sich um ein unterschiedliches Vierergespann dreht und das Leben, Lieben und Leiden der Personen mit der malerischen Kulisse von Barcelona verbindet. Entsprechend vergnüglich ist das Endprodukt. Offensichtliche Probleme wie zum Beispiel die Verständigung zwischen zwei Spaniern werden mit eleganten Kniffen behoben - im angeführten Beispiel mit Javier Bardems Catchphrase "Speak English", weil Cristina sonst nichts versteht. Nicht besonders raffiniert, aber wirkungsvoll. Irritiert ist man allerdings am Anfang des Films etwas, wenn die Charaktere von einem auktorialen Erzähler (Christopher Evan Welch) erklärt werden. "Wie plump", könnte man sich denken, doch nach und nach stört einen die Stimme nicht mehr - im Gegenteil, man empfindet sie als äusserst hilfreich. Es liegt nicht zuletzt am Erzähler, dass man samtweich durch die Handlung von Vicky Crsitina Barcelona getragen wird. Da macht man sich auch keine Gedanken darüber, dass Woody Allen keine exzeptionell tiefgründige Geschichte erzählt, sondern sich mehr um die Liebesspielchen von Juan Antonio, Maria Elena, Vicky und Cristina kümmert. Dass man damit keine Probleme hat, dafür sorgen die herausragenden Schauspieler. Javier Bardem spielt hier, nachdem er in No Country For Old Men einen kaltblütigen Killer spielte, einen heissblütigen Ladykiller. Seine Rolle wird einem Schritt für Schritt sympathischer, aber die anfängliche Aufdringlichkeit hemmt die vollständige Begeisterung. Hier ist die Welt bezüglich Charakterdarstellung noch in Ordnung. Anders verhält es sich mit Vicky und Cristina. Obwohl es zwar dem Lauf der Geschichte förderlich ist, ist die Unterscheidung der beiden Freundinnen etwas gar einfach ausgefallen. Beide mögen dieselben Dinge, nur ihre Auffassung von Liebe ist unterschiedlich. Diese fast schon schwarz-weisse Auseinanderhaltung löst sich zwar im Laufe des Films etwas auf, scheint aber trotzdem etwas zu viel der Vereinfachung zu sein. Dennoch brillieren Scarlett Johansson (Cristina) und Rebecca Hall (Vicky) in ihren Rollen und helfen einem so über die stark vereinfachte Charakterzeichnung hinweg. Begeisternd ist Maria Elena, gespielt von Penélope Cruz. Cruz setzt ihr Image der hinreissenden Femme fatale sehr geschickt ein und hat den Zuschauer gleich nach ihrem ersten Auftritt fest im Griff. Eine weitere Darstellerin, die man nicht vergessen sollte, ist natürlich die Stadt Barcelona. Selbstverständlich erleben wir hier ein Touristen-Barcelona, welches sich nicht in die dunklen Seiten der Stadt hineinwagt wie etwa Todo sobre mi madre - übrigens auch mit Penélope Cruz - doch Woody Allen versteht es wunderbar, eine Geschichte in ein so wunderbares, sommerliches Setting einzuweben. Vergleichbar dazu wäre möglicherweise Martin McDonaghs Meisterstück, in In Bruges Brügge den Tonfall des Films angeben zu lassen. Unterstrichen wird das wunderschöne Setting durch das immer wiederkehrende Lied "Barcelona" von Giulia y los Tellarini, dessen Klänge auch in tiefstem Winter noch nachhallen, und die stimmungsvolle Kameraarbeit von Javier Aguirresarobe.

Vicky Cristina Barcelona weist gegen Ende zwar ein paar Längen auf, macht diese aber mit einem für Woody Allen typischen gemeinen Schluss wett und entlässt den Zuschauer mit einem Lächeln ins kalte Winterwetter. Man weiss, dass man gerade keine grosse Filmkunst, aber immerhin eine frivole Tragikomödie im Stile von Ernst Lubitsch oder Billy Wilder gesehen hat. Und man ist überzeugt, dass Barcelona die Bezeichnung "Stadt der Liebe" mehr vedienen würde als Paris.

4.5 Sterne

Die Kritik gibts auch hier zu lesen.

[Editiert von El Chupanebrey am 2009-01-04 12:30:30]

El Chupanebrey's Wertung: 4.0 Sterne

Ein netter, unterhaltender Woody Allen, der aber nie an seine besten filme heranreicht, weder vom Witz her (das fehlt dem Film) noch von den Darstellern.

pb's Wertung: 3.0 Sterne

Zitat pb (2009-12-23 09:31:29)

Ein netter, unterhaltender Woody Allen, der aber nie an seine besten filme heranreicht, weder vom Witz her (das fehlt dem Film) noch von den Darstellern.

Sieh dir Whatever Works an! Underrated, sag ich da nur, underrated. ;)

El Chupanebrey's Wertung: 4.0 Sterne


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