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Blindness oder: Ich seh was nicht, das du nicht siehst


Blindness ist die Verfilmung des gleichnamigen Romans von José Saramago. Die Ausgangslage, dass alle Bewohner einer Stadt nach und nach erblinden, erinnert ein wenig an Eugène Ionescos Novelle Rhinocéros aus 1960, in der sich die Menschen in Nashörner verwandeln. Hier wie dort steht im Zentrum ein Protagonist, der als einziger diese Metamorphose nicht durchmacht, ohne zu wissen warum. Und sowohl Ionesco als auch Saramago verzichten auf Erklärungen, was ihre Geschichten zu vielseitig deutbaren Parabeln macht.

In der filmischen Umsetzung von Fernando Meirelles geht es um Menschen, die in Extremsituationen ums Überleben kämpfen und dabei zu Bestien werden. Ein Setting, das einem aus verschiedenen Filmen der jüngeren Vergangenheit bekannt vorkommt. Sei es aus psychologischen Thrillern wie Das Experiment oder aus Apokalypsen-Filmen wie 28 Days later oder I am Legend. In Blindness verwandelt das Virus die Menschen nicht in Zombies, sondern lässt sie erblinden. Doch die Folgen sind ähnlich verheerend und gipfeln unweigerlich in der Zerstörung jeglicher zivilisatorischer Errungenschaften.

Bei solch apokalyptischen Szenarien ist eine der grossen Herausforderungen immer, diese dem Zuschauer glaubwürdig zu verkaufen. Und das ist leider die Schwäche des vorliegenden Filmes. Denn trotz einer sorgfältigen Inszenierung mit stimmigen Bildern und guter Musik vermag man im Kinosessel die Geschehnisse nicht nachzuvollziehen. Zu schnell passiert die Verwandlung von der geordneten Stadt in ein anarchisches Gomorrha. Zu unbeholfen stolpern die Schauspieler, die Blinde spielen, in der Gegend herum. Und zu nervig ist Hauptdarstellerin Julianne Moore mit ihrem "Ich-bin-für-alle-hier-drin-verantwortlich-und-muss-die-Welt-retten"-Blick.

Hinzu kommt eine etwas aufgesetzte Symbolik, um deren Stossrichtung zu erraten es keiner übermässiger hellseherischer Fähigkeiten bedarf. Denn: "Sind wir nicht alle blind...?" Jaja, klar, Psychologie für Erstsemestrige. Diese Wirkung wird insbesondere durch ein überflüssiges Voice-Over potenziert, das die Szenen, obwohl meistens selbsterklärend, brav erklärt, sozusagen zum Mitschreiben.

Fernando Meirelles hat mit City of God und The Constant Gardener Virtuosität in verschiedenen Filmgenres bewiesen. Mit Blindness hat er nun eine Art Zombiefilm mit Blinden gedreht. Sind vereinzelte Szenen, wie beispielsweise die Eröffnungsszene, gelungen und sehenswert, bleibt der Film als Ganzes zu unausgegoren und bietet in seinen knapp zwei Stunden nicht mehr als mässig spannendes Katastrophenkino.

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ebe's Wertung: 3 Sterne

Zitat ebe (2008-05-18 18:53:00)

[...] bleibt der Film als Ganzes zu unausgegoren und bietet in seinen knapp zwei Stunden nicht mehr als mässig spannendes Katastrophenkino.

Schade. Aus der Idee hätte echt was werden können. v

psg's Wertung: Noch nicht bewertet

Ja wieder mal ein Film der ein gutes Szenario hätte aber keine Anstallten macht, den Film irgendwie interessant, fordernd oder gar spannend zu gestallten. Klar er ist sehr speziell inszeniert und hat wirklich die Blindheit in den Look aufgenommen, doch es bleibt absolut oberflächlich und auch wenn es zwischendurch intensive Szenen hat, es wird viel zuwenig Inhalt geboten und man langweilt sich meistens.

Die Schauspieler hinterlassen kaum einen Eindruck und Julianne Moore bietet wieder einmal ein Feuerwerk der Ausdruckslosigkeit.

Ist sicher ein Streifen mit einem speziellen Look und hat auch ein höchst interessantes Szenario aber dieses wurde kaum genutzt um einen spannenden Film abzuliefern.

db's Wertung: 2.0 Sterne

Eine kluge Filmkritik, die die Schwächen des Films präzise aufdeckt und analysiert. Der Film hat grosse Längen, man ersehnt das Ende. Die "Blindheit" erweist sich als unbrauchbare (und sehr vordergründige) Metapher. Das blinde Herumstolpern der Schauspieler erinnert an Schauspielschüler in einer Übungsstunde. Grotesk und absolut unglaubwürdig, ja, am Rande des Peinlichen, sind viele Szenen, zum Beispiel, wenn der blinde Hauptdarsteller nach der Öffnung des "Lagers" seine (sehende) Frau verlässt und nach einiger Zeit wieder problemlos zu ihr zurückfindet oder wenn die Frau Lebensmittel in einem Supermarkt beschafft, beim Herausgehen aber von lauter Blinden (die gar nicht sehen können, dass sie zwei volle Tüten mit sich trägt) aufgehalten wird. Man könnte diese Reihe unendlich fortsetzen. Warum entreisst die (sehende) Frau nicht dem (blinden) selbst ernannten König im Lager die Waffe und erschiesst ihn, warum lässt sie die Vergewaltigung der Frauen einfach geschehen usw. usw.
Am Ende finden sich dann

Spoiler zum Lesen Text markieren

(trotz des völligen Chaos in der Stadt - alle Menschen sind mittlerweile blind geworden) die Helden der Geschichte in einem wohl aufgeräumten Apartment wieder. Kühlschrank, Licht, Stromversorgung, alles funktioniert bestens, und - was für eine glückliche Fügung - der zuerst Erblindete kann bald wieder sehen und - piep, piep. piep - alle haben sich dann sehr lieb.


Das ist brasilianischer Telenovela-Kitsch hoch zwei, und der hoch gelobte Regisseur sollte vielleicht noch einmal die Film-Schulbank drücken, bevor er seinen nächsten Film dreht.

Selbander's Wertung: 1.0 Sterne

Also kann mich überhaupt nicht den Meinungen anschliessen. Da haben die Leute wohl zuviele Monsterfilme geguckt. Ich liebe Katastrophenfilme, allerdings finde ich das ständige Einbeziehen von Pseudo-Vampiren (I AM LEGEND), sonstigen Monstern (REIGN OF FIRE) oder häbö mittlerweile ermüdend.

Von wegen "Dubelisicherer off-Kommentar", der überflüssig sei, weil ja jeder längst begriffen hat, dass der Film äusserst metaphorisch und vieldeutig ist... man sollte mal im Netz nachlesen, wie die Leute reagieren. Da denkt man, der Off-Kommentar hät DOPPELT so deutlich sein sollen:

"My son is 15 years old, he's blind and cute and doesn't have sex all the time."
"This film is discriminating the blind as being evil monsters!"
"This movie basically is a soft porn. It's like telling us that blind people need to have sex after sex after sex..."

Switchbox's Wertung: 6.0 Sterne

Zitat Selbander (2008-10-06 00:59:08)

Eine kluge Filmkritik, die die Schwächen des Films präzise aufdeckt und analysiert. Der Film hat grosse Längen, man ersehnt das Ende. Die "Blindheit" erweist sich als unbrauchbare (und sehr vordergründige) Metapher. Das blinde Herumstolpern der Schauspieler erinnert an Schauspielschüler in einer Übungsstunde. Grotesk und absolut unglaubwürdig, ja, am Rande des Peinlichen, sind viele Szenen, zum Beispiel, wenn der blinde Hauptdarsteller nach der Öffnung des "Lagers" seine (sehende) Frau verlässt und nach einiger Zeit wieder problemlos zu ihr zurückfindet oder wenn die Frau Lebensmittel in einem Supermarkt beschafft, beim Herausgehen aber von lauter Blinden (die gar nicht sehen können, dass sie zwei volle Tüten mit sich trägt) aufgehalten wird. Man könnte diese Reihe unendlich fortsetzen. Warum entreisst die (sehende) Frau nicht dem (blinden) selbst ernannten König im Lager die Waffe und erschiesst ihn, warum lässt sie die Vergewaltigung der Frauen einfach geschehen usw. usw.
Am Ende finden sich dann

Spoiler zum Lesen Text markieren

(trotz des völligen Chaos in der Stadt - alle Menschen sind mittlerweile blind geworden) die Helden der Geschichte in einem wohl aufgeräumten Apartment wieder. Kühlschrank, Licht, Stromversorgung, alles funktioniert bestens, und - was für eine glückliche Fügung - der zuerst Erblindete kann bald wieder sehen und - piep, piep. piep - alle haben sich dann sehr lieb.


Das ist brasilianischer Telenovela-Kitsch hoch zwei, und der hoch gelobte Regisseur sollte vielleicht noch einmal die Film-Schulbank drücken, bevor er seinen nächsten Film dreht.

galak's Wertung: Noch nicht bewertet

Ach wie überaus klug und gebildet ihr doch alle seid.

galak's Wertung: Noch nicht bewertet

Vor allem Du, Galak, der wohl den sinnlosesten Beitrag geleistet hat. Super, wie Du den Zitat-Knopf drücken kannst. Hervorragend, weiter so.

Film ist genial.

Switchbox's Wertung: 6.0 Sterne


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