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Beitrag Promise me this - Zavet
Promise me this - Zavet oder: Brachiale Brautschau Die turbulente Slapstickkomödie Zavet nimmt zumindest in der Rezeptionsgeschichte von Emir Kusturicas Filmografie eine Sonderstellung ein - als der erste Film, für den "Kustu" fast durchwegs negative Kritiken erntete. Nach seinen vielgelobten und preisgekrönten Frühwerken kämpft das einstige Wunderkind von Cannes mittlerweile mit dem Ruf, ein überbewerteter, sich endlos wiederholender Eulenspiegel zu sein, der seine einst provokanten Balkanmärchen nur noch als lärmiges, vulgäres und abgedroschenes Gedöns zu inszenieren weiss. Es stimmt: Kusturica kocht seine deftigen Zigeunerschnitzel im Grunde genommen immer nach dem selben Rezept; er spart dabei zunehmend an politischer Würze und betreibt stattdessen das Flachklopfen mit dem Holzhammer umso intensiver. Man kann es bedauern, dass die potenziell charmante Coming-of-Age-Geschichte, die Zavet vorgeblich erzählt, ob der Tendenz des Regisseurs zum Exzess recht schnell in ein überlanges Haudraufspektakel ausartet. Man kann Zavet aber auch an seinen eigenen, bescheidenen Slapstick-Ansprüchen messen und ungehemmt über diesen ganzen Irrsinn lachen. Kusturica tollt sich hier auf einer Spielwiese aus, die er sich selbst abgesteckt hat, und dieses Vergnügen muss man ihm lassen - nein, es empfiehlt sich sogar, daran teilzunehmen. Denn Zavet ist wohlverstanden kein Film, der Eindruck schinden oder Intellektuelle überzeugen will, sondern eine tiefe Verneigung vor Stummfilmkomikern wie Buster Keaton oder Charlie Chaplin, die seit jeher zu Kusturicas wichtigsten Einflüssen zählen. Diese Stummfilme hat Kusturica zweifellos im Kindesalter entdeckt, und so erklärt es sich auch, warum er einen Zwölfjährigen ins Zentrum seiner Hommage steckt. Diesen Jungen reisst er nun aus seiner ländlichen, postkartenhaften Kindheit heraus und schickt ihn in die grosse Stadt, in ein Universum mit den physikalischen Gesetzen eines Roadrunner-Cartoons, wo der Kleine wie geheissen seine Mannwerdung in Angriff nimmt. Und damit kommen wir auch nahtlos zu Kusturicas zweiter Leidenschaft: dem dezidierten Griff unter die Gürtellinie. Und diesmal wird diesbezüglich nicht nur gegriffen, sondern auch gezwackt. Dabei kontrastiert das unschuldige Aussehen des jungen Hauptdarstellers hervorragend mit der ungebändigten Grobheit des Humors. Der zentrale Motor dieser Geschichte ist schliesslich die absolute Verbissenheit ihres Erzählers, beim Publikum ein quasi unterbrechungsfreies Gelächter zu erzeugen. Das funktioniert zwar nicht in jedem einzelnen Fall, aber es führt zu einer akzeptablen Pointendichte und vor allem zu einem überraschend poetischen Gestus: dem permanenten Spiel mit der Vertikalen. Man achte sich darauf, wie in Zavet absolut alles (Personal, Mobiliar, Körperflüssigkeiten) ständig in die Höhe und in die Tiefe schnellt, drängt, springt, fällt, schiesst, rutscht, fliegt, flutscht, spickt und wortwörtlich drunter und drüber gerät. Der ganze Film funktioniert wie ein ausser Kontrolle geratener Seilzug, der seine Fracht unablässig nach oben und wieder nach unten spediert. Wie die berühmte Filmkritikerin Pauline Kael einmal in einem völlig anderen Zusammenhang sagte: "It's like coitus interruptus going on forever." Das trifft auch hier zu, aber mit einem entscheidenden Unterschied: Der minderjährige Held kommt rechtzeitig zu seinem wohlverdienten Schuss, und dies - im wahrsten Sinne des Wortes, der Trailer zeigt's - unter der Haube. |

