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Beitrag 30 Days of Night
30 Days of Night oder: Im Norden warten die Monster Nachdem David Slade in Hard Candy nicht nur einen sehr guten, sondern auch einen sehr intensiven Psychothriller abgeliefert hatte, waren die Erwartungen an 30 Days of Night entsprechend hoch. Diese waren auch berechtigt, denn das Szenario, dass ein Dorf in der dreissigtägigen Polarnacht von einer bösen Macht angegriffen wird und sich die Bewohner des Dorfes dagegen verteidigen müssen, war schon recht viel versprechend und klang nicht nur nach düsterem Horror, sondern auch nach einem intensiven Thriller. Leider kann David Slade ausser in der gebotenen Optik nicht einmal annähernd an die Qualität von Hard Candy anknüpfen. Dabei beginnt alles ganz gut. Im Stil von The Thing wird mit sehr schönen Landschaftsaufnamen und unverbrauchten Bildern von Alaska gut ins Szenario eingeführt. Dank der langsam etablierten Drohung der vorerst unbekannten Angreifer und wie Schritt für Schritt jede Verbindung zur Aussenwelt abgeschnitten wird, kann auch eine gute Spannung aufgebaut werden, was die Hoffnung auf intensive rund 100 Minuten schürt. Während im ähnlichen Film wie The Thing die intensive Spannung während der ganzen Laufzeit mit Paranoja und der enorm hohen psychischen Belastung der Protagonisten immer mehr gesteigert wurde, biegt 30 Days of Night jedoch nach anfänglich sehr gelungenen Szenen schnell auf die Actionschiene um, was der Spannung nicht im geringsten hilft. Die Gründe für das Scheitern von 30 Days of Night, eine vierer oder mehr Wertung zu erhalten, finden sich an mehreren Stellen: Das Ganze wirkt sehr schnell verbraucht, und bereits im zweiten Drittel weicht die anfänglich unheilschwangere Atmosphäre der üblichen Horroroutine, die weder eine Spannung entwickelt, noch irgendwie etwas Unerwartetes bietet. Dazu kommt, dass weder durch den Schnitt noch durch den viel zu leisen und unpassenden Soundtrack aus den eigentlich sehr schön eingefangenen Szenen eine Intensität entwickelt wird. So wirken selbst die ziemlich brutalen Konfrontationen plump und träge. Der grösste Spannungskiller ist jedoch Sheriff Eben Oleson alias Josh "Heulsuse" Hartnett selber. Obwohl er eigentlich das Gesetz in dem Dorf vertritt, macht er keine Anstalten, gegen die Monster vorzugehen und verkriecht sich stattdessen lieber in einem Estrich. Klar war da vieles bereits im Script festgelegt, doch eine andere Besetzung hätte sicher geholfen, dies zu überspielen. Die Vampire sind der Hauptgegner, welche selber kaum eine Ähnlichkeit mit den langweiligen und romantischen Kreaturen haben, wie sie sonst präsentiert werden. Sie sind einfach blutrünstige Tiere, die nur die Menschen zerfleischen wollen. So kann man sich an den sonst sehr verbrauchten Monstern wieder einmal erfreuen. Leider wird dieser Kampf Mensch/Vampire kaum zur Spannungsentwicklung gebraucht. Während die Vampire sich ungestört durch die Bevölkerung schlachten, verkriecht sich der Sheriff und selbst wenn auf beiden Seiten Familienmitglieder das Leben lassen, wird das nicht genutzt, um einen persönlichen Krieg zwischen dem Sheriff und dem Anführer der Vampire zu entwickeln. So dümpelt 30 Days of Night vor sich hin und kann nur einen Bruchteil von seinem Potential wirklich umsetzen. Fazit: Schade, wieder einmal ein Film, an den man zu Recht hohe Erwartungen gestellt hat, denen er jedoch nicht wirklich gerecht wird. Aus dem Szenario der Polarnacht und des abgeschnittenen Dorfes haben sie nach gutem Anfang einen mässig spanndenden Grusler geschaffen. Gesichtslose Hauptfiguren, eine recht öde Handlung und ungünstige Genrewechsel sind dabei die grössten Killerkriterien. Obwohl dabei viele düstere und sehr gut inszenierte Bilder geboten werden, vergreift sich 30 Days of Night regelmässig Soundtrack, so dass viele Sequenzen viel an ihrer Wirkung verlieren. Letztendlich bleibt vieles ungenutzt und nach einem guten ersten Drittel kann eigentlich nur noch der Schluss als gelungen bezeichnet werden. Dennoch schlecht ist der Film natürlich nicht geworden und wer an Vampiren Freude hat, dem wird auch dieser Film gefallen, zu hohe Erwartungen sollte man allerdings nicht an den Film stellen. Die DVD hingegen lässt wenig Wünsche offen. Der Film wird in sehr scharfer Bildqualität präsentiert. Obwohl der Soundtrack etwas leise ist, donnern die Soundeffekte ganz ordentlich aus den Boxen. Das Bonusmaterial fällt dabei sehr ausführlich aus und hat als Kern eine mehrteilige Dokumentation über die Entstehung des Filmes. Diese reicht von dem ersten Storymeeting bis zur eigentlichen Produktion und den damit verbundenen Problemen. B-Rolls, Trailers und andere Goodies beglücken das Herz des Fans und machen die DVD zu einem lohnenden Kauf. |
Bis auf den Schluss, der dann wirklich etwas over-the-Top daherkommt, ist der Streifen absolut sehenswert. Die verfluchten Biester sind ja mal wirklich eiskalt und skruppellos, da hätte sogar der Daywalker seine liebe Mühe damit. |
erstaunlich unterhaltsamer horrorstreifen, schade dass ein mässiges finale einiges an spass kaputt macht. man merkt, dass sam raimi seine finger drin hatte, die sache ist technisch sehr gut umgesetzt. |
wie so oft, mein lieber skynet, sehe ich das etwas anders als du...
nönö, mein freund, hier ist gar nichts gescheitert, ganz im gegenteil!
meines erachtens findet eben gerade nicht die "übliche horrorroutine" statt... dazu weiter unten mehr.
ich fand den spärlichen, skelettartigen soundtrack sehr passend zu den monochromen, blassen bildern. ich hab allein vom zukucken schon zu frieren begonnen...
plump und träge? wie kommst du denn da drauf? die gewalt kommt jeweils überfallsartig und ist schon fast wieder vorbei, bevor jemand reagieren kann.
das fand ich klasse und "realistisch" und eben nicht die übliche horrorroutine. hartnett ist sheriff in einem kaff, in dem jeder jeden kennt, normalerweise wird er parkbussen verteilen und besoffene in die ausnüchterungszelle stecken. er ist ein dorfpolizist und kein mcclane, superman oder blade. ein typ wie du oder ich, der halt polizist geworden ist...
ich bin auch überhaupt kein hartnett fan, im gegenteil, fand hier aber sehr passend besetzt und mochte seine figur sogar richtiggehend...
hier gehen wir wohl einig: die vampire waren exterm cool und wirklich schreckeneinflössend.
wenn der gegner unbesiegbar ist, so ist verkriechen die einzig sinnvolle reaktion. der persönliche feldzug wäre doch genau die zu erwartende, genreübliche, schon tausendmal gesehene geschichte... ich fand zudem auch den schluss sehr gelungen und überraschend. Spoiler zum Lesen Text markieren
alles in allem ein gelungener, absolut nicht genreüblicher streifen. hat mir sehr gefallen. [Editiert von gargamel am 2008-07-07 12:09:26] |
Ja das sind Differenzen, die Primär auf den Filmgeschmack zurückzuführen sind und dich ansprechen, für mich dafür nicht so prickelnd waren. Ich war sehr gespannt auf den Film und hatte einzig wegen Hartnett viel Bedenken und diese haben sich für mich bestätigt. Ist sicher ein schön gemachter Film - keine Frage - doch das ist und bleibt nunmal eine Comicverfilmung mit Vampiren und so realistisch das möglicherweise war, sich in einem Loch zu verkriechen, bei einer Comicverfilmung ist Realismus kaum ein Kriterium sondern Spannung, Action und Unterhaltung und das wurde mir zuwenig geliefert. |
Zitat db (2008-07-07 12:09:49)
klar, wie üblich, geschmäcker sind verschieden. aber dein vorwurf, der film sei gescheitert (der dann aber mit deiner sternebewertung nicht so ganz korrespondiert) sowie, vor allem, er folge dem üblichen horrorschema, kann ich nicht nachvollziehen...
btw: nicht jeder comic ist ein buntes actionspektakel mit superhelden... wieso also bei einer comic-verfilmung realismus kein kriterium sein soll/kann, müsstest du mir schon genauer erklären... in diesem zusammenhang würde ich dir das grossangelegte comic-zombie-epos "the walking dead" (robert kirkman) empfehlen, das sich ebenfalls in "realistischer" art mit dem über- und weiterleben einer gruppe von überlebenden in einer von zombies überrannten welt auseinandersetzt. figurenentwicklung gepaart mit splatter, eine wirklich tolle und intelligente sache. müsste dringend von HBO in eine tv-serie verwandelt werden! [Editiert von gargamel am 2008-07-07 12:57:04] |
gut möglicherweise ist gescheitert ein etwas gar hartes Wort, denn ein schlechter Film ist es ja nicht, aber mit diesen Punkten ist er klar daran gescheitert einen wirklich guter Film abzuliefern. Ausserdem habe ich spezifisch geschrieben, dass er ab der Hälfte ins übliche Horrorschema wechselt. Bis da war er ja erfrischend anders und da hat er ja auch eine düstere Drohung aufgebaut und eine durchaus gute Spannung. Hätte er diese aufrechterhalten wärs ein ausgezeichneter Film geworden, doch etwa ab der Mitte beginnt das routinierte "jo ich pflücke mein Opfer aus einer Gruppe heraus", Leute werden unter Wohnwagen geschleift etc. Das übliche eben, was weder Überraschungen noch wirklich etwas Neues bietet. Ich will anders als Horroroutine und dieser Film hätte dies bieten können, doch leider nur am anfang und kurz vor Ende war erwirklich überraschend.
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Zitat db (2008-07-07 13:12:07)
naja, wenn das setting "wir sind irgendwo, wo wir nicht wegkönnen, und etwas böses ist unter uns" gegeben ist, so muss ja auch hin und wieder jemand dran glauben, sonst ist die von dir gewünschte spannung sehr bald an einem kleinen ort. was wäre denn deine vorstellung gewesen, wie die geschichte hätte weitergehen sollen?
wenn du aber gleichzeitig sagst, dass dir hartnett zu wenig kampfmaschine war, so wünschst du dir doch nichts anderes als das schon 1000 mal gesehene... oder verstehe ich das falsch?
[Editiert von gargamel am 2008-07-07 13:35:51] |
Zitat gargamel (2008-07-07 13:34:14)
Schon in einem ähnlichen Rahmen, dass die Vampire die Bevölkerung dezimieren. Doch mit etwas mehr pepp als wie es hier geboten wurde und auch mit mehr schwarzem Humor. Severence hat es vorgemacht, wie man in einem klassischen Setting durchaus kreativ sein kann. Bei 30 Days sitze ich vor dem Screen und sage. Jetzt wird jemand aus der Gruppe gepflückt. *schnapp* Jetzt schreien sie. *Schrei*, Jetzt wird die Leiche ihres zerfetzten Kollegen wieder vor die Füsse geschmissen *werfen klatsch* Jetzt rennen sie schreiend davon. *renn* *gähn* Ich stelle mir einen packenden Film anderst vor, als wenn ich voraussagen kann was geschieht.
nein aber mehr aktion nicht nur reaktion. Schliessich hätte er alle Menschen des Dorfes retten müssen nicht nur seine eigene Familie und ein paar andere welche per Zufall dazu gestossen sind. Darunter hätte es sicher jemand gehabt, der sich besser hätte wehren kann als der Sheriff. Danach Eingreifstruppe zusammenstellen, Gegenangriff starten und wenn das nicht geht, nach einer anderen Möglichkeit suchen wie man die Dinger ausschalten kann. Einen gefangen nehmen, untersuchen, schliesslich hatten wie ja 30 Tage Zeit dies zu tun. Eine UV-Lampe hatten sie ja unter anderem auch, da hätte man sicher noch mehr machen können als nur einer der Vamprie etwas anzubrutzeln. Vampire sind ja schon Fantastisch, da hätte man auch noch entsprechende Waffen basteln können und Blade hat ja schön gezeigt wie man mit "realistischen" Waffen gegen die Vampire Kämpfen kann.
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jetzt hab' ich kapiert, wo dein problem mit dem streifen liegt (machmal bin ich etwas langsam...): du hast etwas völlig anderes erwartet, als die filmmacher zeigen wollten. deren idee war es (so nehme ich mal an), einen "realistischen" film zu drehen, also unter der annahme, dass das (natürlich fantastische) setting gegeben sei, normale menschen darin normal reagieren zu lassen. ich fand diesen ansatz interessant und eben nicht "übliche horrorroutine". und dabei ist auch klar, dass den protagonisten bald einmal die witzigen one-liner vergehen und der humor an einem kleinen ort ist. du hättest gerne so eine art "die hard" mit vampiren gehabt, mit einem coolen helden, der zuerst auf die fresse kriegt, sich dann aber aufrappelt und dem vampirpack saures gibt (was ich mir sofort auch ansehen würde, btw. allerdings dann ganz sicher ohne hartnett, ganz klar!). ich finde allerdings, du kannst nicht dem film anlasten, dass du eine andere art streifen erwartet hast, als du geboten kriegtest. das wäre wie wenn ich "the godfather" als gescheitrten film bezeichne, weil keine raumschlacht darin vorkommt... wenn du übrigens vorher mal einen blick in den comic geworfen hättest (was ich gestern getan habe) hättest du ahnen können, dass dies kein streifen à la "severence" sein würde. |
Zitat gargamel (2008-07-08 12:58:40)
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ich seh' schon, wir werden uns nicht ganz einig (hätt' mich ja auch gewundert ich bin aber bereit das so stehen zu lassen, wenn du im gegenzug bereit bist deinen letzten satz Zitat db (2008-07-08 16:48:49)
in 30 Days hat dies nicht und deshalb hat er von mir auch nur 3.5 erhalten, also etwas besser als Durchschnittlich, aber besser finde ich ihn nicht. zu korrigieren. OK? |
Zitat gargamel (2008-07-09 12:53:16)
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na dann mal los! |
Der Film war Durchschnitt. Sollen das 30 Tage gesesen sein ? Man hat das Gefühl es waren bloss 2. Aber egal, die Monster waren jedenfalls besser (weil echter) als in I Am Legend. |
Der Streifen lief vorher gerade auf ORF1 (geschnitten ... oder schlechter Schnitt?) und da ich mich gerade durch eure comments gelesen habe: Ich kann DB's Meinung gar nicht vertreten und finde, er hat den falschen Film gesehen. Er erwartete einen "Gegenangriff" und einen "Helden"... beides passiert hier nicht... und genau das war die Stärke des Films. Es war spannend und dann brutal...das abschlachten des Dorfes rührte mein Mitleid mit den Bewohnern (sehr selten) an. Hartnett war ein guter Dorfpolizist und das Resultat relativ gut. Immerhin köpft er um die 6 Leute und stösst dem Chef das Hirn raus. ;) Also ich finde das schon Gegenangriff genug... der Schluss... heldenhaft und realistisch. Nur leider stören viele andere Dinge die 2te Hälfte des Films: Die dummen "Mitüberlebenden"... der alte Mann und sein Sohn... das heraumlaufen auf der freien Strasse. Das retten des Kindes... dann wieder Trottel, die alle wegsterben. DAS alles hat den Film am Ende verdorben, dass es keine höhere Wertung gab. |

