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Ben X oder: Spiel, um zu gewinnen


In der Regel sind die ersten zehn Minuten eines Filmes ausschlaggebend. Man weiss dann, wie der Film wird. In BenX reichen zehn Sekunden und es ist klar: ein Meisterwerk. Die Anfangstitel spielen in der Archlord-Welt, man folgt BenX auf einem wilden, fantastischen Ritt durch sein virtuelles Universum. Plötzlich bewegt man sich heraus, befindet sich in Bens Zimmer und er beginnt zu erzählen. Man taucht ein in Bens verwirrende Welt und kann sich nicht mehr von ihr trennen. Gamer werden sicher begeistert sein von den Sequenzen im Spiel, die eigens für den Film gedreht wurden. Es kann schwer sein, mehrere Weltansichten zu visualisieren, doch Regisseur Nic Balthazar hat diese Hürde mühelos gemeistert. Die Perspektivenwechsel zwischen der virtuellen Welt, Bens innerem Monolog und die Ansichten der Aussenwelt erfolgen subtil und eindrücklich.

Greg Timmermans, obwohl fast zu alt für die Rolle, ist ein herausragender Schauspieler. Die grundlegende Veränderung zwischen Ben, der als BenX zockt und sich wohlfühlt in seiner Haut, und Ben im echten Leben, dessen Sinne permanent attackiert werden, der vollkommen asynchron mit dem Rest der Welt ist, drückt Timmermans perfekt aus. Auch die restlichen Rollen sind goldrichtig besetzt. Laura Verlinden ist geradezu bezaubernd, Marijke Pinoy lässt einen mitleiden bis zu einem Punkt, an dem man sie in den Arm nehmen will. Ausserdem haben alle Charaktere definierte, abgeschlossene Geschichten, es gibt keine frustrierenden, losen Enden.

Dieser Film wird nie kitschig. Aufwühlend, mitreissend, erstaunend und intelligent stellt er Fragen und thematisiert einige Probleme heutiger Jugendlicher: Gewalt in Schulhöfen, die für youtube gefilmt wird, Cybermobbing, Entfremdung von der Realität durch das Internet und Rollenspiele. Ben sagt: "Im Leben kann ich nur einer sein, im Spiel kann ich sein, wer ich will". Über seinen Autismus äussert er sich so: "Alle sagten, ich hätte ein Problem. Aber niemand konnte mir sagen oder erklären, was für ein Problem sie eigentlich meinten" und "Ich hab Autismus, oder der Autismus hat mich". Und tatsächlich: wieso dürfen wir nicht sein, wer wir wollen, auch wenn es von der Norm abweicht? Wieso können wir die Welt nicht so wahrnehmen, wie sie sich speziell uns präsentiert und damit leben? Ist es überhaupt möglich, in unserer Gesellschaft anders zu sein? BenX gibt Antworten auf diese Fragen, ohne zu bevormunden, ohne zu behaupten, die ultimative Lösung gefunden zu haben. Ein absolutes must-see des Filmjahres, nicht nur für Gamer.

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aru's Wertung: 6 Sterne

Zu diesem Thema wurden insgesamt 18 Beiträge geschrieben.
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Hört sich nicht schlecht an. Bis zum 15.5. dauerts zwar noch eine Weile und den Trailer fand ich jetzt nicht sooo überwältigend, aber ich denke das wäre schon ein Film für mich. :)

jon's Wertung: 4.0 Sterne

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Hab ich schon erwähnt dass ich den Film schon auf DVD habe :d Zum glück war er bei der Zeitung als gratisbeilage dabei.

Und ich kann aru eigentlich voll und ganz zustimmen. 6 Sterne und nicht weniger gibts von mir. Aber das ganze geht einem wahrscheinlich noch etwas näher wenn man Bens Umgebung kennt.

HomerSimpson's Wertung: 6.0 Sterne

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Harry, Du hast einen Trailer gesehen? Der ist mir noch gar nicht über den Weg gelaufen. Ich kann mir aber vorstellen, dass der nicht so zutrifft, wie das leider bei vielen Trailern ist. Ich denke, es ist schwer die Subtilität und Kraft des Filmes in einem Trailer zum Ausdruck zu bringen, der ja eigentlich eher dafür gedacht ist, das Publikum zu packen. Ich kann aber garantieren, dass der Film was ganz Besonderes ist :)

Danke übrigens an euch zwei für die Kommentare, sind meine ersten auf outnow, juhuu! :d:x

aru's Wertung: 6.0 Sterne

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Rechts oben findest du den Trailer. ;)

Hab gestern im Riffraff gesehen, dass die den Film bringen werden. *freu* Wird schon was sein, auch wenn es negative Stimmen gibt.

jon's Wertung: 4.0 Sterne

Zitat aru (2008-04-29 16:00:12)

Danke übrigens an euch zwei für die Kommentare, sind meine ersten auf outnow, juhuu! :d:x

Gratuliere! Tust du den Film auch noch(mals) bewerten, damit die Fragezeichen bei dir zu Sternli werden? :)

muri's Wertung: Noch nicht bewertet

Dein Wunsch war mir Befehl, Muri :)

aru's Wertung: 6.0 Sterne

Negative Stimmen? Der Film hat 9 Preise schon eingesammelt und war bei uns ein riesen Erfolg...wer will da noch etwas dagegen sagen?

HomerSimpson's Wertung: 6.0 Sterne

och, glaube mir, wenn ich den sehe finde ich was negatives |)

Victorymon's Wertung: Noch nicht bewertet

Alles ist sicherlich nicht Perfekt...aber der Film hat wenigstens noch ein paar unerwartete Twists ;)

HomerSimpson's Wertung: 6.0 Sterne

Der Film ist ganz in Ordnung. Meines Erachtens wirken jedoch die Figuren und überhaupt die Geschichte einfach einwenig zu konstruiert. Dem Regisseur geht es zu sehr um die Botschaft, so dass dem Weg dahin zu wenig Aufmerksamkeit zuteil wurde. Der Film ist in gewisser Weise effekthascherisch. Trotzdem bleibt der Film sehr aufwühlend und er handelt noch immer von einem immens wichtigen Thema.

mab's Wertung: 4.0 Sterne

Der Film hat mir verdammt gut gefallen, auch wenn ich kein Gamer bin. Meine Schwester und ihr Freund sind totale Game Freaks, aber die finden dass das Archlord Game ein Mist ist. Aber darum gehts ja nicht. Ich finde die Story interessant und der Hauptdarsteller ist top.

Jugulator's Wertung: 5.0 Sterne

Ben X ist ein unangenehmer Film und zeigt für einmal etwas ungewohnte Dimensionen auf. Hier verschlechtert das Gamen Bens Psyche nicht, es hilft ihm, mit der Umwelt klarzukommen. Der Film ist zwar besonders am Anfang etwas gar langatmig (der Vorspann war aber genial) und wird erst in den letzten 20 Minuten richtig rasant. Der Schluss ist sehr schön gemacht,

Spoiler zum Lesen Text markieren

die Kirchenszene beisst richtiggehend, herrlich inszeniert!

Ansonsten ist Ben X etwas reisserisch und hektisch geschnitten, letzteres passt aber zur Thematik. Der Film ist zwar bei weitem kein Meisterwerk, ist aber natürlich beeindruckend gemacht und bei aller Kälte wandelt er sich zur Ode an das Leben. Dies wird zwar nicht mit der Wärme eines Le scaphandre et le papillon vorgetrage, doch das wäre ein zu starker Kontrast zum Rest des Films gewesen.
Auch die diversen Unklarheiten und die Sicht von Ben sind interessant. Die "Interview"fetzen habe ich dann etwas zu stark klischiert gefunden.

Trotzdem ein guter und wichtiger Film, aber keiner, den man für einen gemütlichen Kinoabend aussuchen sollte.
4,5 Sterne

Ach ja, Flämisch ist eine coole Sprache (total beim Deutschen geklaut...:d).

Ausführlicheres Review

[Editiert von El Chupanebrey am 2008-07-29 20:55:56]

El Chupanebrey's Wertung: 4.0 Sterne

Also ich geh morgen endlich rein. Ich seh aber gerade, dass er laut outnow im Riffraff auf Englisch läuft. Das ist ein Fehler, oder?

jon's Wertung: 4.0 Sterne

Ich hoffe es doch schwer! Denn ich hab beim sehen des deutschen Trailers schon einen halben Herzinfarkt gekriegt ;)

HomerSimpson's Wertung: 6.0 Sterne

Ben X

Eskapismus, Isolation, Einsamkeit, sozialer Druck, Aussenseiter, Abschottung, Gewalt etc. Schwierige Themen, die es anzupacken gilt, wenn man einen Film über Online-Games macht. Unlängst sind sie schliesslich zu einem Massenphänomen geworden. Millionen von Gamer rund um die Welt loggen sich täglich allein bei World of Warcraft ein und lassen sich von einer Welt der Elfen, Orks und Trolle entführen, wo sie gemeinsam epische Quests lösen und gegen gewaltige Drachen in den Krieg ziehen. Dass das ganze Treiben nicht nur positive Seiten hat, zeigen nicht nur Fälle von Sucht und Totalabschottung, auch das Thema von Gewaltakten wie Schulmassaker scheint stets unheilvoll über der Diskussion zu schweben. Oft genug stehen Eltern ratlos da.

Der Belgier Nic Balthazar begibt sich mit seinem Filmdebüt "Ben X" somit auf heikles Terrain. Der Versuch hätte schwer misslingen können, aber glücklicherweise ist er mit viel Herzblut an die Sache gegangen und das merkt der Zuschauer schon nach den ersten Minuten. Wir befinden uns in der Welt von "Archlord", einem Fantasy-Online-Rollenspiel, kurz MMORPG. Ben X, mit Level 80 ein starker, gefürchteter Kämpfer, zieht auf seinem Schlachtross durch atemberaubende Täler. In der Realität ist Ben ein verschlossener, autistischer junger Mann, der kaum spricht und mit den Menschen nichts anzufangen weiss. In der Schule wird er ausgestossen und er steht den Tag nur durch, um wieder in die virtuelle Welt flüchten zu können. Doch da trifft er Scarlite, und sie wird seine Heilerin. Im Spiel. Doch Ben weiss selbst nicht mehr richtig, was Spiel und was Realität ist.

Die Handlung ist relativ simpel gehalten. Ben schafft es nicht, normalen Kontakt mit anderen Menschen herzustellen und wird von der Gesellschaft ausgestossen. Die Hänseleien in der Schule sind relativ klischeehaft dargestellt, die Reaktionen des Umfelds, also Eltern, Lehrer, Psychiater, ebenso. Teilweise bekommt man sogar den Eindruck, dass Balthazar den Bogen etwas überspannt und Bens Leiden in der realen Welt übertrieben krass darstellt. Zwar erzeugt er durch ständig eingeschobene, vorgreifende Interviewfetzen geschickt eine Spannung auf das was kommt, wenn die Zeitbombe explodiert, aber die Handlung des Aussenseiters ist nicht das Aussergewöhnliche am Film.

Das Aussergewöhnliche an diesem Film ist die visuelle Umsetzung. Verblüffend, wie mit bescheidenen finanziellen Mitteln solche einmaligen, eigensinnigen, ungewohnten Bilder geschaffen wurden. Vor allem die Leute, die selbst Erfahrung mit online Games gemacht haben, wird es beeindrucken, wenn Balthazar die optische Welt der Pixel und der Realität mehr und mehr vermischt und die Grenzen verwischt, bis man als Zuschauer selbst nicht mehr weiss, was nun tatsächlich vor sich geht. Die Bilder gehen Hand in Hand mit ziemlich hektischen Schnitten und einem stimmigen Soundtrack. Greg Timmermans verkörpert seine Rolle konsequent und intim, auch wenn er etwas zu alt für die Rolle scheint, und kommentiert das Geschehen eingehend aus dem Off. Auch die bezaubernde Laura Verlinden ist absolut passen besetzt. Alles zusammen kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Geschichte zeitweise etwas einseitig, überraschungslos und somit langatmig ist - bis auf den Schluss. Dieser überraschende, befreiende Schluss entschädigt für vieles und dank ihm steht der Film schlussendlich mehr als gut da. Nicht nur, dass er seine Geschichte erbarmungslos, schwer verdaulich, intim, traurig, aber auch optimistisch und lebensfreudig erzählt, für einmal sind auch nicht die Games schuld, sondern sie bieten Ben einen Weg der Linderung seines Leids. Von daher bietet dieser Film durchaus eine neue Perspektive.

Fazit: "Ben X" ist ein ungewohnter, berauschender Film, der ebenso ungemütlich wie warmherzig von einem schwierigen Thema erzählt, aber zeitweilen an einer überzeichneten Handlung krankt.

jon's Wertung: 4.0 Sterne

schade, der film wird nach dem "Demnächst-Programm" der kitag für Sankt Gallen nicht laufen.

hab mich schon ziemlich auf den film gefreut, aber extra nach zürich fahren möchte ich nicht unbedingt...

meines erachtens komisch, dass die den film nicht im programm haben...

siamolo's Wertung: Noch nicht bewertet

Zitat siamolo (2008-05-21 14:30:26)

schade, der film wird nach dem "Demnächst-Programm" der kitag für Sankt Gallen nicht laufen.


Die Kitag nimmt solche Filme doch sowieso nicht. Er läuft ja glaub ich nur in Riffraff-Kinos, oder?

El Chupanebrey's Wertung: 4.0 Sterne


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